Wat sähste?! Ausgabe 8 mit Schmitter aus der Fanszene von Fribourg Gotteron

Salut Schmitter, der ein oder andere wird dich sicherlich als langjähriger Freund und Wegbegleiter der Trierer Fanszene kennen. Stell dich bitte dennoch mal kurz allen vor die noch nicht das persönliche Vergnügen mit dir haben durften.

Hallo zusammen, vielen Dank für die Gelegenheit hier zu Wort zu kommen. Ja, was gibt’s da über mich zu sagen. Ich bin der Schmitter und bin ehemaliges Mitglied der Ultragruppe Fribourg Boys 2002 (FB02), welche sich vor 9 Jahren, Anfang 2012 aufgelöst hat. Seither verfolge ich unseren Eishockeyverein den HC Fribourg Gottéron eigentlich immer noch, allerdings aus einer gewissen Distanz und bin eher selten und unregelmäßig in den Eishallen anwesend. Dafür regelmäßig in der ältesten Stadt Deutschland rund um die Fanszene Eintracht und das nun seit zehn Jahren!

Dieses Jahr jährt sich die Freundschaft zwischen Trier und Fribourg zum zehnten mal. Magst du für uns noch einmal auf die Anfänge dieser langen Zeit zurückblicken. Wie entstand die Freundschaft zwischen Fribourg und Trier?

Ich hatte das Privileg zu der ersten Autobesatz aus Fribourg zu gehören, welche in der ältesten Stadt Deutschlands aufschlug. Durch die langjährige Freundschaft der FB02 zu der Generation Grenat 95 aus Metz, entwickelten sich nach dem Beginn der Freundschaft zwischen Metz und Trier, auch schon bald die ersten Kontakte zwischen unseren beiden Fanszenen. Die ersten Berührungspunkte, gab es im November 2009 auf der Auswärtsfahrt von Metz nach Sedan. Bei der Rückkehr nach Metz, wurden wir eingeladen am nächsten Tag mit den Metzern zum Heimspiel der Eintracht gegen den SV Waldhof Mannheim nach Trier zu kommen. Diese Einladung haben wir selbstverständlich gerne angenommen und kurz darauf trafen Anfang 2010 die ersten zwei Trierer Autos in Fribourg ein. In den darauffolgenden 2 Jahren, gab es durch die Distanz von 500 km unregelmäßige, dafür dann aber intensive und teils feuchtfröhliche Kontakte. Beim Auswärtsspiel des SVE`s im Waldstadion in Homburg am 30. April 2011, bei welchem wir mit einer größeren Abordnung aus Fribourg anwesend waren, wurde die Freundschaft offiziell dadurch dass unsere Zaunfahne das erste Mal im Gästeblock hing.

10 Jahre sind ein wirklich stattlicher Zeitraum. In all den Jahren habt ihr sicher viel erlebt. Was sind deine persönlichen Highlights und auf welche Momente schaust du eher weniger gern zurück?

Ekstase im Block beim Siegestreffer der Eintracht kurz vor Spielschluss im Pokal gegen St. Pauli, der Derbysieg im Ludwigspark gegen das Ungeziefer aus Saarbrücken und etliche gegenseitige Besuche über diese Jahre. Aber das größte Highlight in der Freundschaft mit Trier sind für mich die Menschen die diese leben und prägen. Zu vielen hat sich in den vergangenen Jahren eine persönliche, enge Verbindung entwickelt die weit über den Fußball hinaus- und durch die ganze Bandbreite der Fanszene Trier geht. Dafür bin ich unendlich dankbar.

Augenblicke auf die ich ungern zurückblicke ist der Verlust des SCT Banners in Ulm wo wir aus Fribourg mit anwesend waren. Sowie die Nachricht über die Amokfahrt im Dezember letzten Jahres, welche uns in der Schweiz schockiert und sehr schmerzhaft getroffen hat.

Freundschaften zwischen Fanszenen sind meist geprägt von einer ganz besonderen Identität die die verschiedenen Fanszenen auszeichnet und von der die jeweils andere profitiert. Wie würdest du aus Fribourger Perspektive die Identität der Trierer Fanszene beschreiben? Was bleibt euch nach Besuchen besonders in Erinnerung? Und wie würdest du die Identität der Fanszene aus Fribourg beschreiben?

 

Was mich schon immer beeindruckt hat ist die Größe der Trier-Fanszene trotz der Ligazugehörigkeit, deren Passion und Engagement für Stadt und Verein. Die Leidenschaft die egal ob Haupttribüne, Ostkurve und Gegengerade bei jedem Spiel aufgebracht wird und wie authentisch man den Volkssport Fußball noch in Trier lebt. Auch sind wir immer wieder aufs Neue beeindruckt wie die Spieltage innerhalb der Fanszene organisiert und durchplant sind, im Gegensatz zu uns in Fribourg wo alles viel chaotischer ist.

 

Eine der größten Besonderheiten und zugleich die größte Herausforderung innerhalb der Fribourger Fanszene ist die Zweisprachigkeit. Diesbezüglich wurden jedoch innerhalb den vergangenen Jahren Fortschritte in die richtige Richtung gemacht und tritt als Fanszene geschlossener und koordinierter auf. Die Stadt Fribourg ist um einiges kleiner als Trier, aber der Verein ist noch tiefer verwurzelt bei den Leuten in der Stadt und dem Kanton als bei anderen Vereinen in der Schweiz. Durch die erfolgreiche 90er Jahre zeichnet sich die Fanszene durch ein breitgefächertes Spektrum an Leuten aus. Es gibt verschiedene Fanclubs in der gesamten Schweiz und diese reisen teilweise aus der gesamten Schweiz zu den Heim- und Auswärtsspielen an.

 

Wo siehst du die größten Unterschiede im Ausleben der Fankultur zwischen Eishockey Ultras in der Schweiz und einer Fanszene wie der von Eintracht Trier?

Die größten Unterschiede sind wohl in der Organisation der beiden Fanszenen zu finden. Was darauf zurück zu führen ist, dass im Eishockey man drei Spiele pro Woche im Normallfall hat. Dies bringt natürlich andere Herausforderungen mit sich, wie Choreovorbereitungen und Spieltagsabläufe, als wenn man nur einmal die Woche spielt.

Der zweite große Unterschied ist wohl, dass die konstante Anzahl der Auswärtsfahrer in Trier höher ist als bei uns in der aktiven Fanszene. Der Grund ist wieder in der Anzahl der Spiele pro Saison zu finden. So kommt es auch mal vor das man nur mit 15 Mann in Lugano versucht einen aktiven Support unter der Woche zu organisieren.

 

Gibt es trotz Corona schon Überlegungen wie das Jubiläum der Freundschaft in diesem Jahr gefeiert werden kann?

Ja, die gibt es. Eine offizielle Feier ist auf Grund der Maßnahmen auf unbestimmte Zeit erstmal verschoben. Dennoch wird es einige Aktionen zum Jubiläum geben. Lasst euch überraschen am Freitag war ja der offizielle Startschuss für die Festlichkeiten.

 

Blicken wir gemeinsam in die Zukunft: Was wünschst du dir für die Freundschaft im nächsten Jahrzehnt?

Ein Interview an dieser Stelle zum 20 jährigen Bestehen, mit spannenden Anekdoten und Geschichten, würde ich befürworten! Den langersehnten Titel in der NLA für Fribourg Gottéron und das Eintracht Trier wieder erfolgreich in höheren Gefilden spielt. Und das die nächsten Generationen unseren beiden Fanszenen die Freundschaft weiter tragen und ausleben werden.

Das wünschen wir auch! Herzlichen Dank für deinen spannenden Einblick in 10 bewegte Jahre der Freundschaft zwischen Mosel und der Saane. Wie üblich gebühren die letzten Worte dir!

Vielen Dank auch an das Fanprojekt für eure Arbeit und die unvergessenen Abenden in euren Räumlichkeiten. Hoffen wir dass die Pandemie bald ein Ende findet und wieder Normalität in unseren Alltag und Sport  zurückkehrt. Und das wir uns schnellstmöglich wieder sehen um auf die Freundschaft Trier & Fribourg anzustoßen.