Wat sähste?! Ausgabe 7 mit Werner Vollack

In der heutigen Ausgabe steht uns mit Werner Vollack ein ehemaliger Torhüter der Eintracht Rede und Antwort, der in der zweiten Liga zwischen 1976 und 1979 im Trikot des SVE 96 Spiele absolvierte. Viel Spaß beim lesen!

 

Hallo Werner, stell dich doch zunächst mal unseren Leser*innen vor für alle die dich noch nicht kennen und berichte uns wie du damals zur Eintracht gekommen bist.

 

Ja mein Name ist Werner Vollack. Ich bin zur Eintracht gekommen von Bayer Uerdingen aus. Dort war ich zwei Jahre lang zweiter Torhüter und hatte leider nur drei Einsätze in der Bundesliga, weshalb ich heiß darauf war Nummer 1 zu werden und fest zu spielen. Der Zufall wollte es das Eintracht Trier damals einen Torwart gesucht hat, denn Charly Schröder, der etatmäßige Torwart, hatte sich damals verletzt und Trier stand somit nach dem Aufstieg in die zweite Liga ohne Torwart da. Also wechselte ich zur Eintracht was sich als Glücksgriff für mich herausstellen sollte. Ich spielte immer von Anfang an und habe 3,5 super Jahre dort in der zweiten Liga verbracht.

 

Du sagst selber, dass deine Zeit in Trier ein Sprungbrett für deine erfolgreiche Profikarriere wurde. Nimm uns noch einmal mit in den Verlauf deiner Fußballerkarriere. Was waren die größten Highlights und was die größten Niederlagen?

 

Absolut! Eintracht Trier war für mich ein riesen Sprungbrett und ich habe dem Verein viel zu verdanken weil ich mich hier weiterentwickeln konnte und mich gestärkt habe für spätere höhere Aufgaben. Ich verließ Trier nach Stuttgart und spielte dort mit Klinsmann, Allgöwer, Buchwald in der zweiten Liga um den Aufstieg der knapp verpasst wurde. Danach wechselte ich zurück zu Bayer Uerdingen und erlebte dort die größten Highlights meiner Karriere. Im ersten Jahr in Krefeld gelang uns der Aufstieg in die Bundesliga. Besonders in Erinnerung bleiben dabei die beiden Relegationsspiele in der Saison 1982/83 gegen Schalke 04. Wo wir Mittwochsabends 3:1 gewonnen haben nach einer unglaublichen Galavorstellung unserer Mannschaft. Sonntags drauf vor 70.000 auf Schalke war es eine mega Atmosphäre, wer einmal dort gespielt hat weiß wovon ich rede. Uns gelang die Sensation mit einem 1:1 und für mich ging mit dem Bundesligaaufstieg ein Traum in Erfüllung. Von da an ging es nur weiter bergauf. Dort hatte ich tolle Trainer wie Timo Konietzka im Jahr nach dem Aufstieg wo wir Zehnter wurden. Danach kam Karl-Heinz Feldkamp und wir wurden 1985 deutscher Pokalsieger gegen Bayern München in Berlin und das ist natürlich eine riesen Sensation in einem Fußballerleben die man nie vergessen wird. Es folgten die Europacupspiele durch die ich an die Tür der Nationalmannschaft anklopfen konnte. 1986 schafften wir es bis ins Halbfinale des Europapokals der Pokalsieger, hatten das Jahrhundertspiel gegen Dynamo Dresden wo wir in Dresden 2:0 verloren hatten. Im Rückspiel stand es zur Halbzeit 1:3 für Dynamo und in der zweiten Halbzeit schafften wir mit einem 7:3 Sieg das Wunder und zogen ins Halbfinale ein. Das sind Megahighlights die man nie mehr vergisst. Natürlich auch das Halbfinale in Madrid gegen Atletico. Nicht nur wegen der besonders guten Kritiken für mich, sondern auch weil mit Fillol ein argentinischer Weltmeistertorhüter bei Atletico im Tor stand und mir gratulierte. Das war schon beeindruckend.

 

Das klingt wirklich nach einer herausragenden Karriere. Wie bist du nach deiner aktiven Zeit dem Fußball verbunden geblieben?

 

Meine letzte Station war von 1988-1990 Schalke 04. Jens Lehmann, der wohl allen bekannt sein dürfte war dort mein Nachfolger. Leider hatte ich großes Pech und zog mir eine Knieverletzung zu, sodass ich 1989 aufhören musste zu spielen und Lehmann meinen Platz im Tor übernahm. Nach meinem Karriereende machte ich den Trainerschein mit A-Lizenz und hatte mit dem Gedanken gespielt weiter zu machen als Trainer, aber aufgrund der Tatsache, dass mein Knie weiterhin nicht mitmachte habe ich dann was ganz anderes gemacht. Ich bin aber dem Fußball immer verbunden geblieben, ob sei es vorm TV oder bei Bayer, jetzt KFC, Uerdingen wo ich mich noch immer ein bisschen engagiere. Also habe ich nochmal 3,5 Jahre lang eine Ausbildung als Reiseverkehrskaufmann gemacht mit dem Hintergedanken mich selbstständig zu machen und ein eigenes Büro zu haben. Diesen Traum habe ich mir dann verwirklicht. Mit 35 habe ich dann mit den jungen Leuten die grade ihr Abi gemacht hatten zusammen die Ausbildung absolviert. Das war eine schwere Zeit aber ich habe sie abgeschlossen und im Anschluss daran meine Ausbildereignungsprüfung gemacht und selbst ausgebildet. In Krefeld habe ich dann ein tolles Büro eröffnet und war dort auf den Monat genau 10 Jahre lang selbstständig.

 

Um nochmal auf deine Trierer Station zurück zu kommen: Deine Tochter wurde während deiner Zeit bei der Eintracht in Trier geboren und ich nehme mal an auch dadurch pflegst du eine besondere Beziehung in die älteste Stadt Deutschlands. Was ist dir in besonders positiver Erinnerung geblieben und was fasziniert dich besonders an Trier?

 

Also ich hab`s ja auch schon öfters erwähnt, da ich ja auch Mitglied in der Facebookgruppe „Fussball Bilder Galerie Trier und Umgebung“ bin: Ich habe immer gesagt das Trier als älteste Stadt Deutschlands und ihre Umgebung einfach fantastisch ist. Besonders hat mir die Herzlichkeit der Menschen gefallen. Ich liebe sie und werde immer so zurückdenken an Eintracht Trier und komme immer wieder gerne nach Trier weil es in meiner 17-jährigen Karriere die schönste Station meiner Laufbahn war.

 

Das ehrt alle Eintrachtfans sehr solche Worte zu hören!

 

Das meine ich auch genauso wie ich es sage und ich freue mich ganz besonders darüber hier die Möglichkeit zu haben noch einmal darauf zurück zu blicken. Ich habe im letzten Jahr nämlich einen schweren gesundheitlichen Rückschlag gehabt. So eine Geschichte am Herzen von der ich mich derzeit erhole. Kurz nachdem ich in Rente gegangen bin hat mich das schwer getroffen. Ich hatte viel Glück und gute Ärzte, aber das regt auch zum neu nachdenken an und so kam ich auf die Idee vielen Menschen etwas zurück zu geben. Denn es war unfassbar als ich 16 Tage im Krankenhaus lag und nicht vergessen wurde. Die Menschen hier in Krefeld haben von meiner Erkrankung erfahren und ein Banner vor dem Krankenhaus für mich aufgehangen und mir Briefe geschrieben. Das war eine unglaubliche Anteilnahme die ich nie mehr vergessen werde. Aufgrund dessen habe ich dann für die Fans begonnen meine Erinnerungen an die Profizeit in einer Art Kolumne auf Facebook zu veröffentlichen.

 

Das bringt mich direkt zur nächsten Frage: Sicherlich ist der KFC (damals Bayer) deine erfolgreichste Profistation gewesen. Wenn man sich die heutige Entwicklung dort anschaut rund um windige Investoren und das Drama um die alt ehrwürdige Heimspielstätte, die Grotenburg, dann schaudert es einen. Wie würdest du die aktuelle Entwicklung beim KFC Uerdingen bewerten?

 

Ich kann da ganz gut Auskunft geben, weil ich zu denjenigen gehöre die einer Rettergruppe angehören. Geld können sie zwar nicht von mir haben, habe ich auch nicht, aber ich bringe mich ein in dieser Rettergruppe um die Grotenburg zu retten. Das haben wir durch den Stadtrat auch geschafft und es wird weiter saniert, sodass die Grotenburg erhalten bleibt. Aber das was du richtigerweise gesagt hast stimmt leider: Es ist ein Chaotenclub geworden und wir versuchen dort Seriosität und Struktur rein zu bekommen. In den letzten 5 Jahren fällt es schwer sich mit diesem Verein, wo ich meine größten Erfolge gefeiert habe, noch zu identifizieren. Aber trotzdem bleibt es mein Verein. Aber diese ganzen negativen Randerscheinungen wie die Abhängigkeit von einer Person und eine ganz schlechte Außendarstellung der Investoren stößt bei mir sauer auf. Doch nichts desto trotz ist die aktuelle Mannschaft in Ordnung und versucht den Abstieg zu verhindern um weiterhin Drittligist zu bleiben. Aber mir ist wichtiger dem Verein eine Struktur zu geben, das die Jugend gefördert wird und der Verein ein Clubhaus bekommt. Natürlich schaue ich auch lieber dritte Liga oder zweite oder erste, aber es geht ja hier um den Verein und nur auf Teufel komm raus abhängig zu sein ist eine Katastrophe aus meiner Sicht. Grade aktuell ist die Situation so dubios und undurchsichtig, da man gar nicht weiß mit wem man es da als Investor zu tun hat. Man bewegt sich durch die Insolvenz auf einem schmalen Grad und die aktuelle Lage ist gar nicht zu durchschauen. Das macht es auch für unsere Rettergruppe sehr schwer dort mit Unterstützung anzusetzen. Wir wissen im Grunde genommen ja gar nicht wie wir helfen können. Und das ist natürlich eine Situation die mir gar nicht schmeckt. Was in den letzten Jahren abgelaufen ist kann man einfach nur als unseriös bezeichnen, auch gegenüber der Stadt Krefeld. Dort habe ich ein gewisses Verständnis das man Probleme hat mit solch einem Verein zusammenzuarbeiten.

 

Von deiner damaligen Profikarriere zu heute hat sich viel im Fußball verändert. Wie bewertest du diese Veränderung und wenn du es dir noch einmal aussuchen könntest wärst du lieber heutzutage  Profi geworden oder würdest du sagen das du alles richtig gemacht hast und zur damaligen Zeit vor 30-40 Jahren der echte Fußball gespielt wurde?

 

Jetzt muss ich genau überlegen was ich sage. Ich sage das ohne Neid, denn das Wort Neid kenne ich nicht. In meinen Augen ist es Wahnsinn jeden der grade einmal grade aus laufen kann mit einem Millionenvertrag zu dekorieren. Das ist eine Katastrophe und das sehen sicherlich Millionen von Fußballfans genauso wie ich. Das größte Beispiel ist mein letzter Verein Schalke 04, ein großartiger Club mit tollen Fans, der ein aktuelles Paradebeispiel darstellt für katastrophales wirtschaften. Solche Millionenbeträge für Spieler auszugeben ist einfach irre. Das steht in keinem Verhältnis zu irgendwas und das sage ich nicht aus Neid sondern das ist meine absolute Meinung dazu. Klar andererseits haben wir damals auch Geld verdient. Aber das waren keine Reichtümer in den 80er Jahren, denn das war alles leistungsbezogen. Wir haben gute Prämien bei Siegen bekommen auch für die Europapokalrunden. Für unsere Verhältnisse damals hat man gut verdient aber ich habe dann nach meiner Karriere ganz normal weiter arbeiten müssen u.a. 12 Jahre bei der Stadt und habe durch meine Karriere keine Reichtümer angehäuft. Dennoch war die Zeit damals schöner und menschlicher, weil man zum Beispiel einfach mal mit den Fans ein Bier trinken gehen konnte. Natürlich war dennoch die profihafte Einstellung bei allen mit denen ich gespielt habe da, aber es war dennoch lockerer und schöner. Was im heutigen Profifußball abgeht ist hingegen Wahnsinn, das muss man einfach mal in Relation zur Leistung stellen. Wie ich schon gesagt habe hatten wir damals leistungsbezogene Verträge. Heutzutage ist es genau andersrum. Da haben manche Spieler schon einen Vertrag über 3 Millionen bevor sie überhaupt die Schuhe anziehen. Das muss man sich mal vorstellen! Da frage ich mich auch wo die Motivation ist von diesen jungen Kerlen die mit Geld zugeschüttet werden. Du merkst an meiner Reaktion wie sehr ich mich darüber ärgere. Wenn ich die Leistung in Relation zu den Gehältern sehe finde ich absolut keine Rechtfertigung mehr dafür. Das ist unfassbar.

 

Eine allerletzte Frage habe ich noch von meiner Kollegin an dich. Du hast ja unsere Fanfibel erhalten an der sie maßgeblich mitgewirkt hat. Hast du schon ein bisschen reinschauen können und wie ist dein erster Eindruck?

 

Ja ich habe schon reinschauen können und unter anderem einen Blick auf die ehemaligen Präsidenten der Eintracht geworfen. Das ist hochinteressant und sowohl die Entstehung des Vereins, als auch meine Zeit zwischen 1976 und 1979 das ist in der Fibel gut beschrieben. Ich hab das Buch noch nicht ganz durch aber werde es noch komplett lesen.

 

Natürlich hoffen wir, dass die Coronasitutation es möglichst bald wieder zulässt und der Spielbetrieb dann bestenfalls in der Regionalliga wieder im Moselstadion aufgenommen werden kann. Und du bist dann natürlich herzlich eingeladen zu einem Besuch in deine alte Heimat. Nochmal ein großes Dankeschön das du uns Rede und Antwort gestanden hast. Wie üblich gehören die letzten Worte dir als Gast!

 

Ich grüße alle Trierer ganz herzlich und freue mich schon auf das Ende der Pandemie. Dann werde ich nochmal nach Trier reisen und ein Wochenende dort verbringen, hoffentlich bei einem Heimspiel im Moselstadion.