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U-18 nach Hoffenheim

U-18 Fahrt des Fanprojektes nach Hoffenheim am 11.11.2012

Liebe Eintracht-Fans,

am kommenden Sonntag (11.11.2012) bieten wir wieder eine U-18 Fahrt zum Auswärtsspiel der Eintracht an. Diesmal geht´s nach Hoffenheim.

Abfahrt ist um 10.30 Uhr am Fanprojekt. Gegen 19 Uhr sind wir wieder in Trier. Bei Interesse einfach kurz per Mail (fanprojekt@exhaus.de) anmelden.
Die Anmeldung bzw. die Einverständniserklärung für eure Eltern findet ihr wie immer unter dem Menüpunkt Download

LG Tom

PS. Außerdem weisen wir gerne schon mal darauf hin, dass es eine Initiative der Ultras gibt, dass wir alle im Eintracht Trikot kommen, sofern vorhanden…

Pressemitteilung BAG Sicheres Stadionerlebnis

Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) zum DFL-Konzeptpapier „Sicheres Stadionerlebnis)
Mainz / Jena, den 22.10.2012

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) hat sich intensiv mit dem Konzept der Deutschen Fußball Liga GmbH (DFL) „Sicheres Stadionerlebnis“ befasst.

Auch die Fanprojekte erachten es für absolut sinnvoll und notwendig, sich mit den im Konzeptpapier „Sicheres Stadionerlebnis“ aufgegriffenen Themenfeldern auseinanderzusetzen. Dies sollte und darf jedoch nicht unter Zeitdruck und getrieben durch eine aufgeregte öffentliche Debatte geschehen.

Es ist aus Sicht der BAG absolut unverständlich, warum nicht bereits im Vorfeld der Erstellung des Konzeptes entsprechende Expertenmeinungen eingeholt wurden. Dann wäre beispielsweise die überflüssige Forderung nach „Qualitativer Überprüfung der Fanprojekte“ sicher nicht in das Konzept aufgenommen worden, da eine solche Überprüfung bereits unter aktiver Mitarbeit der DFL in das Nationale Konzept Sport und Sicherheit (NKSS) aufgenommen wurde und seit zwei Jahren durch die AG Qualitätssicherung mit dem Qualitätssiegel „Fanprojekt nach dem Nationalen Konzept Sport und Sicherheit“ umgesetzt wird. In der AG Qualitätssicherung ist die DFL selbst mit einem festen Sitz vertreten und kann daher auf entsprechende Prozesse Einfluss nehmen, was sie auch tut.

Ebenso irritiert ist die BAG in Bezug auf die unter „Prävention“ gewählte Formulierung „Erhöhung der Drittelfinanzierung bei den Fanprojekten auf 50%“. Hier ist der Hinweis wichtig, dass es bei einer dann nicht mehr Drittel- sondern Dreierfinanzierung zu nennenden Form in der Praxis unbedingt zu einer finanziellen Verbesserung der Projekte kommen muss. Ein dementsprechender Rückzug der öffentlichen Hand muss unbedingt vermieden werden, denn Fansozialarbeit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und nicht nur eine des Fußballs. Forderungen nach einer 100%igen Kostenübernahme durch die DFL (bzw. den DFB) stehen hoffentlich nicht ernsthaft zur Debatte, da damit die Grundlagen des NKSS insgesamt in Frage gestellt werden würden.

Gleichfalls ist die Form und offensichtliche Intention, ein einheitliches Konzept vorzugeben, dem sich alle Vereine und Millionen von Fußballfans unterwerfen müssen, aus Sicht der BAG der absolut falsche Weg. Hinzu kommen die datenschutzrechtlich und rechtstaatlich erst einmal zu überprüfenden Bestrebungen in Bezug auf Personalienweitergabe, Ganzkörperkontrollen, Kollektivstrafen, etc. Die Signalwirkung dieser Bestrebungen, ein eigenes Rechtsystem installieren zu wollen, ist fatal.

Die Fanprojekte sind in den vergangenen Jahren niemals müde geworden, den Dialog zwischen Fans und Verbänden zu fördern bzw. wieder in Gang zu setzen. Kein einfaches Unterfangen, da stattgefundene Gespräche bei den Vertretern der Fanorganisationen oftmals den nachhaltigen Eindruck hinterließen, dass es sich hierbei lediglich um Alibi-Gespräche ohne ernsthaftes Aufgreifen von Vorschlägen, Absprachen, o.ä. gehandelt hat. Dennoch ist es immer wieder gelungen, Vertreter der großen bundesweit agierenden Fanorganisationen an einen Tisch mit DFB/DFL zu bekommen.

So hat gerade erst die AG Stadionverbote auf Einladung des DFB ihre Arbeit aufgenommen. Die AG Fanbelange & Fanarbeit, welche sich im Übrigen vor einigen Monaten auch schon mit dem Thema „Fankodex“ befasst hat ist trotz aller schwierigen Begleitumstände ebenfalls seit nunmehr einem Jahr aktiv.

Werden jetzt derart weitreichende Schritte eingeleitet, die sich massiv auf den Fan- und auch Vereinsalltag auswirken, ist die aufgekommene Fragestellung, warum ebendiese durch den DFB eingerichteten AGs nicht in diesen Prozess involviert wurden, aus Sicht der BAG absolut gerechtfertigt. Vereine, die sich nun die Zeit nehmen wollen, mit den lokalen Fanvertretern intensiv über die Strukturänderung zu diskutieren, haben aufgrund der engen zeitlichen Vorgaben kaum die Möglichkeit hierzu.

Die Tatsache, dass bei der Erstellung des Konzeptpapiers „Sicheres Stadionerlebnis“ weder Fanbeauftragte noch die sozialpädagogischen Fanprojekte involviert waren, ja nicht einmal die für Fanbelange zuständigen hauptamtlichen Mitarbeiter bei DFL und DFB einbezogen wurden, kann den Eindruck entstehen lassen, dass entsprechende Expertenmeinungen nicht gewünscht waren. Dabei müsste gerade die Umsetzung der verschiedenen Punkte in der Praxis ein zentrales Thema sein. Wenn man die verschiedensten Szenarien durchspielt, wird man schnell feststellen, welche Schwierigkeiten und massiven Problemfelder entstehen können.

Die Mitglieder der BAG sind nicht bereit, die Scherben, die dieses Konzept – sofern es in der vorliegenden Fassung verabschiedet wird – verursachen wird, wieder aufzukehren. Dies haben die Fanprojekte in der Vergangenheit oft genug getan. Die sozialpädagogischen Fanprojekte setzen sich seit jeher in ihrer unabhängigen Funktion für Transparenz, Aufklärung und Verständnis bei allen Protagonisten im Umfeld des Fußballsports ein. Hierbei wird stets darauf geachtet, dass dies in alle Richtungen geschieht.

In der vorliegenden Situation gehört dementsprechend auch dazu, die Fans darüber aufzuklären, was dieses Konzept für sie in der Zukunft bedeutet.

Aus Sicht der BAG befinden wir uns derzeit an einem Scheideweg, an dem man genau überlegen sollte, wie weiter vorzugehen ist. Die teils populistische Generalverurteilung von Fußballfans, dazu eine Gewaltdebatte, die selbst durch die Zahlen der ZIS nicht gestützt wird, bringen den Diskurs um Sicherheit im Fußball ganz sicher nicht weiter, vielmehr stärkt man durch den oben skizzierten Umgang mit der gesamten deutschen Fankultur nur die radikalen Kräfte in den Fanszenen. Dies kann und darf nicht das Ziel der DFL oder des DFB sein. Man muss sich genau überlegen wie man die „normalen“ und „gewillten“ Fans stärkt, und dies geht nur mit Kommunikation auf Augenhöhe, was leider viel zu selten praktiziert wird.

Die BAG appelliert an die DFL, das vorliegende Konzeptpapier zurückzuziehen und gemeinsam mit  Vereinen, Fanprojekten und Fans bestenfalls jeweils auf lokaler Ebene und insbesondere unter Berücksichtigung der teils grundverschiedenen örtlichen Strukturen die fanrelevanten Themenfelder neu zu erarbeiten. Die vorliegende Fassung wird von der BAG jedenfalls strikt abgelehnt.

i. A. Thomas Beckmann / Matthias Stein
BAG-Sprecher

Ausstellung „Tatort Stadion II“ im Moselstadion

Fußball für ein buntes Miteinander – Aktionstage gegen Rassismus und Diskriminierung
Wanderausstellung „Tatort Stadion 2“ zu Gast im Moselstadion

Unter dem Motto „Fußball für ein buntes Miteinander – Aktionstage gegen Rassismus und Diskriminierung“ hat die Landesleitstelle Kriminalprävention verschiedene Vereine in Rheinland-Pfalz aufgerufen, durch verschiedene Aktionen für mehr Toleranz und Zivilcourage zu werben. Für den SV Eintracht Trier 05 e.V. sind dies selbstverständliche Werte, so kam man diesem Aufruf gerne nach.

Gemeinsam mit dem Fanprojekt Trier und dem Supporters Club Trier 2001 stellen der SV Eintracht Trier 05 e.V. die Wanderausstellung „Tatort Stadion 2“ im Moselstadion aus. Als Rahmenprogramm konnte mit Jonas Gabler und Ronny Blaschke zwei bekannte Experten für Vortragsabende gewonnen werden. Darüber hinaus werden im Rahmen des Heimspiels gegen den SSV Ulm 1846 weitere Aktionen folgen.

Vor mehr als 10 Jahren entwickelte das Bündnis Aktiver Fußballfans (BAFF) die Wander-Ausstellung „Tatort Stadion“. Damit leistete BAFF Pionierarbeit, denn die Ausstellung beschäftigt sich mit verschiedensten Formen der Diskriminierung im Volkssport Fußball. Seitdem wurde die Ausstellung an mehr als 200 Standorten gezeigt. 2010 wurde die Ausstellung überarbeitet und aktualisiert und firmiert seit dem unter dem Namen „Tatort Stadion 2“.

Die ausgestellten Schautafeln richteten sich explizit gegen Rassismus und Antisemitismus und sie thematisieren die Unterwanderung von Fanszenen durch Rechtsextreme. Darüber hinaus werden selbstverständlich auch andere Formen der Diskriminierung wie Sexismus, Homophobie und Antiziganismus deutlich gebrandmarkt. Die Ausstellung informiert aber nicht nur über die teilweise alltäglichen Diskriminierungen im Fußball, sondern sie zeigt auch auf, was z.B. Fans dagegen tun.

Die Ausstellung wird vom 29.10. bis zum 3.11.2012 im Moselstadion / Null Fünf präsentiert. Zum Heimspiel gegen den SSV Ulm 1846 wird die Ausstellung in einem Zelt im Eingangsbereich des Moselstadions aufgebaut.

Die Ausstellung wird von den Mitarbeitern des Fanprojekts fachlich betreut und begleitet.

Jonas Gabler ist Teil der Kompetenzgruppe „Fankulturen und Sport bezogene Soziale Arbeit“ (KoFaS) an der Leibniz Universität Hannover unter der Leitung von Deutschlands bekanntesten Fanforscher Prof. Dr. Gunter A. Pilz. Jonas Gabler wird am 29.10. die Ausstellung eröffnen mit einem Vortrag über „Fußballkultur und Rechtsextremismus/Rassismus

Der Politologe und Buchautor Jonas Gabler berichtet darüber, wie Rechtsradikalismus, Rassismus und andere Formen der Diskriminierung Eingang in die Fußballfankultur finden können. Dabei werden Beispiele aus dem In-  und Ausland, aus der Vergangenheit und aus der Gegenwart zur Sprache kommen. Im Anschluss an den Vortrag soll in großer Runde diskutiert werden, wie Fans, Vereine und die Zivilgesellschaft gegen solche Phänomene vorgehen können.

Ronny Blaschke ist freier Journalist aus Berlin und publiziert regelmäßig in bekannten Medien (Zeit, Spiegel) und ist Autor verschiedener Bücher zu Fußballthemen („Angriff von Rechtsaußen – Wie Neonazis den Fußball mißbrauchen“, oder „Versteckspieler – Die Geschichte des schwulen Fußballers Markus Urban“). Am 8.11. wird Ronny Blaschke Auszüge aus „Angriff von Rechtsaußen“ vortragen.

Rechtsextreme hängen sich an die Volksbewegung Fußball, um ihre menschenverachtenden Ansichten zu verbreiten. Die NPD wirbt in Fanszenen Mitglieder, auf Amateurebene gewinnen ihre Parteifunktionäre als Vereinsvertreter oder Schiedsrichter Akzeptanz in der Gesellschaft. Neonazis gründen Vereine, um Jugendliche an ihre Kameradschaften heranzuführen. Der Berliner Journalist Ronny Blaschke lässt in seinem Buch „Angriff von Rechtsaußen“ Neonazis und GegenAktivisten zu Wort kommen. Er beschreibt, wie Rechtsextreme das Verständnis von Demokratie und Toleranz im Fußball schädigen. Ein Plädoyer für eine politische Diskussionskultur im Sport.

Für die Ausstellung im Null Fünf sowie für die beiden Vorträge wird kein Eintritt erhoben. Da im Rahmen des Heimspiels gegen den SSV Ulm 1846 die Ausstellung im Stadion präsentiert wird ist eine Eintrittskarte für das Spiel zu erwerben.

Die Initiative „Fußball für ein buntes Miteinander – Aktionstage gegen Rassismus und Diskriminierung“ wird durch die Landesleitstelle Kriminalprävention finanziert.

Termine

„Tatort Stadion 2“ im Null Fünf vom 29.10. –  3.11.2012
Mo-Fr 16-20 Uhr (außer 1.11.2012) & Sa 12-16 Uhr
sowie während des Heimspiels gegen den SSV Ulm 1846 am 4.11.2012 im Eingangsbereich des Moselstadions

Weitere Termine sind nach Absprache möglich. Bitte wenden Sie sich an das Fanprojekt Trier.

Fanprojekt Trier
Zurmaiener Str.114
54292 Trier
0151/28302919
fanprojekt@exhaus.de

29.10.2012 – 19 Uhr im Null Fünf
Vortrag „Fußballkultur und Rechtsextremismus/Rassismus“ (Jonas Gabler)

8.11.2012 – 19 Uhr im Balkensaal Ex-Haus
Vortrag „Angriff von Rechtsaußen – wie Neonazis den Fußball missbrauchen “ (Ronny Blaschke)
Weitere Informationen unter:
www.eintracht-trier.com
www.tatortstadion.blogsport.de/ueber-tatort-stadion-2

 

U-18 Fahrt nach Frankfurt

U-18 Fahrt des Fanprojektes zum Regionalligaspiel FSV Frankfurt II gegen SVE am Sonntag, 26.August im Frankfurter Volksbank Stadion (Bornheim)

Das Fanprojekt bietet zum Spiel gegen FSV Frankfurt II wieder eine U-18 Fahrt an.

Der Fahrtpreis beträgt 5 Euro, die Eintrittskarte ist selber zu erwerben.

Wie ihr wisst, gilt bei U-18 Fahrten ein generelles Alkoholverbot, außerdem ist die Busfahrt auch rauchfrei. Da ihr unter 18 Jahren seit, braucht ihr einen entsprechgenden Anmeldebogen, den ihr unter Main Menu/Download runterladen könnt.
Direkt anmelden könnt ihr euch dann unter 0651-99 17 308 oder unter fanprojekt@exhaus.de

Abfahrt wird um 10.30 Uhr vor dem Fanprojekt sein. Zurück in Trier werden wir gegen 19.00 Uhr sein.

Fanprojektfahrt nach Freiburg

Saisonauftakt zum Nachdenken

Zum Saisonauftakt 2012/2013 ging es für die Eintracht weit in den Süden zum Ligakonkurrenten SC Freiburg II. Angesichts der hohen Attraktivität der Stadt Freiburg entschloss sich das Fanprojekt Trier eine U-18 Fahrt mit Übernachtung anzubieten. Von diesem Angebot machten dann auch vier Jugendliche regen Gebrauch. Nach ruhiger Fahrt mit dem hauseigenen Exhaus-Bus stand als erstes natürlich die tatkräftige Unterstützung unserer Eintracht im Möslestadion auf dem Programm.
Nach dem Einchecken im Hotel und einer kulinarischen Stärkung verschlug es den Trupp dann zu einer ausgedehnten Besichtigung der Stadt Freiburg.
Am darauffolgenden Tag machten wir auf der Rückfahrt nach Trier noch einen Abstecher zur Sommerrodelbahn in Guttach im schönen Schwarzwald.  Da diese Fahrt allerdings nicht nur als eine reine Spaßveranstaltung zu sehen war, wurde den vier Jugendlichen spätestens beim Besuch der KZ-Gedenkstätte in Struthof/Natzwiller (Franreich) deutlich.
Den Jugendlichen wurde an den Originalstätten in den elsässischen Vogesen das Grauen und die Verbrechen des nationalsozialistischen Terror-Regimes sehr anschaulich näher gebracht. Trotz eines ambitionierten Geschichtsunterrichts in der Schule, war es für alle Jugendlichen das erste Mal so konkret mit der Thematik der nationalsozialistischen Verbrechen konfrontiert zu werden. Es gab demnach vieles zum Nachdenken auf der Rückfahrt.
Insgesamt konnte man von einer gelungenen Fahrt sprechen, die nicht nur einen Auswärtssieg der Eintracht, eine Menge Spaß sondern auch viel Nachdenkliches für die Jugendlichen im Angebot hatte. Man war sich allesamt einig, eine ähnliche Fahrt mit dem Fanprojekt  Trier noch einmal anzubieten.

AG Fananwälte: Statement zum Sicherheitsgipfel

Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft Fananwälte zum „Sicherheitsgipfel“ am 17.07.2012

  • Sachlichkeit statt Hysterie!
  • Einzelfallgerechtigkeit statt Sippenhaft!
  • Polizeitaktik überdenken!
  • Fanprojekte stärken!

Sehr geehrter Herr Niersbach,
Sehr geehrter Herr Große Lefert,

den Medien konnten wir entnehmen, dass am 17.07.12 ein „Sicherheitsgipfel“ in Berlin unter Beteiligung der Verbände, der Vereine und des Bundesinnenministers zum Thema sogenannter „Fangewalt“ stattfinden soll. Vertreter der Fanorganisationen wurden zu diesem Treffen nicht eingeladen.
Die öffentlichen Erklärungen von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich und Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall haben uns zu diesem Brief veranlasst.

Es ist heute bekannte und ständige Übung der polizeilichen Gewerkschaften, in beklagenswert populistischer Weise die gesellschaftliche Debatte über das Kulturgut Fußball auf absurdeste Warnungen vor relevanten Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung durch Fußballfans zu verengen, um die vermeintlichen Partikularinteressen ihrer Mitglieder lautstark zu vertreten und von strategischem Fehlverhalten (polizeiliche Gewalt, eskalationsfördernde Einsatzstrategien) abzulenken – oder auch schlicht um Mitglieder zu werben.
Wenn aber nun verantwortliche Minister in unzulänglicher Kenntnis der Materie in diese Kampagne gegen Fußballfans eintreten und mit unzutreffenden Behauptungen in den Chor der Polizeivertreter einstimmen, um zu versuchen, die Vereine zu einem schneidigen „Maßnahmenkatalog“ zu zwingen, sehen wir uns zur Stellungnahme verpflichtet.

Statt gemeinsam mit Vereinen und DFB die Sachlage gründlich zu analysieren, um dann im nächsten Schritt nachhaltige Lösungen zu erarbeiten, scheinen sich die Innenminister in einem persönlichen Wettstreit zu wähnen, die Drohkulisse gegenüber den Spielbetriebsveranstaltern stetig zu erhöhen. So nehmen wir mit Unverständnis zur Kenntnis, dass gar der Abzug von Spielpunkten bei Zuschauerausschreitungen gefordert und – selbstverständlich – lautstark nach höheren (Verbands-)Strafen verlangt wird.
Blankes Erstaunen kann jedoch nur die Drohung der Politik mit einem Verbot der weniger teuren Stadion-Stehplätze hervorrufen: Sollten die Minister etwa zum Ausdruck gebracht haben, dass Gefahren für die Sicherheit und Ordnung nur von jenen Zuschauern ausgehen, die sich teure Sitzplatzkarten nicht leisten können und sozial schwächere Fußballfans daher prophylaktisch ausgeschlossen werden sollten?

Ohnedies sind diese Vorschläge juristisch zweifelhaft. Sie stellen eine hoheitliche Einmischung in Verbandsangelegenheiten dar, für die es glücklicherweise keine rechtliche Grundlage gibt. Zwar hat sich in jüngster Zeit gezeigt, dass es durchaus hoheitliche Bestrebungen gibt, Verbandsentscheidungen durch polizeiliche Maßnahmen zu ersetzen, wie es bspw. beim Kartenabgabeverbot in St.Pauli in der vergangenen Saison zu beklagen war. Die Gerichte haben diesen polizeilichen Einmischungen in die Souveränität der Veranstalter indes engste Grenzen gesetzt und den Behörden Pflichten zugewiesen, die diese regelmäßig nicht zu tragen vermögen. So wird etwa grundsätzlich die Polizeibehörde den Ausfall der Zuschauereinnahmen zu ersetzen haben.

Vor dem „Sicherheitsgipfel“ werden die Verbände unter Drohung mit der polizeirechtlichen Keule zu vorgefertigten sogenannten „Ehrenkodizes“ und schneidigem Vorgehen gegen die Fans gedrängt, da sie angeblich ihre Pflichten – insbesondere hinsichtlich der „konsequent durchzusetzenden Stadionverbote“ – unzureichend erfüllten. In der Rechtspraxis ist jedoch das Gegenteil zu beobachten: Stadionverbote müssten grundsätzlich als polizeirechtliche Aufenthaltsverbote verhängt werden. Alle deutschen Polizeigesetze beinhalten entsprechende Standardmaßnahmen. Allerdings unterlägen hoheitliche Beschränkungen uneingeschränkt der verwaltungsgerichtlichen Kontrolle. Wegen der hohen Grundrechtsrelevanz derartiger Maßnahmen sind die Anforderungen ihrer Begründung sehr hoch. So werden nachvollziehbare Gefährdungsprognosen verlangt, die nicht etwa allein auf den Umstand einer polizeilichen Ingewahrsamnahme eines Betroffenen gestützt werden können. Daher flüchten sich Polizeibehörden in diesen Fällen in das Privatrecht. Die Vereine werden faktisch aufgefordert, Stadionverbote zu verhängen, um auf diesem Wege eine von den Sicherheitsbehörden gewünschte Rechtsfolge für den Betroffenen zu erwirken, die im Falle hoheitlicher Anordnung schlicht rechtswidrig wäre. Dies ist umso erschreckender, als dieser Praxis regelmäßig systematischer Rechtsbruch der veranlassenden Amtsträger voraus geht: Die behördliche Information der Sicherheitsbeauftragten der Vereine erfüllt nach diesseitiger Rechtsauffassung regelmäßig die Tatbestände der Verletzung des Dienstgeheimnisses (§ 353b Abs. 1 StGB) und der Verletzung von Privatgeheimnissen (§ 203 Abs. 2 Nr. 1 StGB), denn wirksame Ermächtigungsgrundlagen zur Weitergabe der Daten an die privaten Dritten (Vereine) sind nicht existent.

Ein eklatanter Anstieg von Gewalt in Fußballstadien wird gerne behauptet. Bekanntermaßen ist dieser Befund nach Maßgabe des aktuellen Berichts der ZIS (Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze) falsch: Vergleicht man die letzten drei Berichte der ZIS, erkennt man in fast allen Bereichen einen deutlichen Rückgang sicherheitsbeeinträchtigender Ereignisse: So sank die Zahl der eingeleiteten Strafverfahren von 6.030 (2008/09) über 6.043 (2009/10) auf 5.818 in der Saison 2010/11. Die Zahl freiheitsentziehender Maßnahmen (strafprozessuale Festnahmen und polizeirechtliche Ingewahrsamnahmen) gegen Fußballfans sank von 9.174 (2008/09) über 6.784 (2009/10) auf 6.061 (2010/11). Die Zahl der Einsatzstunden der Polizei sank von etwa 1,525 Millionen (2008/09) über 1,217 Millionen (2009/10) auf 1,122 Millionen (2010/11).

Die einzige Kennziffer, die einen Anstieg zu verzeichnen hatte, war die Zahl der Verletzten: sie stieg von 579 (2008/09) über 784 (2009/10) auf 846 (2010/11). Jedoch ist hierzu aber anzumerken, dass die polizeiliche Statistik leider nicht explizit aufführt, wie viel dieser Personen durch Polizeieinsätze verletzt wurden. Ein erheblicher Teil des Anstiegs der Verletztenzahlen dürfte nach unserer Einschätzung auf den vermehrten Einsatz von neuartigen (sehr groß dimensionierten und weitreichenden) Reizstoffsprühgeräten zurückzuführen sein. So wurden bspw. in der vergangenen Spielzeit bei einem vielkritisierten Polizeieinsatz im Fanblock in Hannover insgesamt 36 unbeteiligte Personen durch polizeiliches Pfefferspray verletzt.

Darüber hinaus ist die Zahl der Besucher von Erst- und Zweitligaspielen in den vergangenen zehn Jahren erfreulicherweise auf ca. 6 Mio. gestiegen. Dieser Anstieg ist zu den Zahlen der ZIS in Relation zu setzen. Schließlich differenziert die Statistik nicht zwischen Verletzungsgraden. Mitglieder unserer Arbeitsgemeinschaft beobachten, dass Polizeibeamte zunehmend und systematisch auch leichteste Bagatellverletzungen zur Anzeige bringen.

Eine deutliche Sprache spricht auch ein Vergleich mit anderen Großveranstaltungen, wie zum Beispiel dem Oktoberfest in München. In den 17 Tagen des Oktoberfest  2011 hat die Polizei über 10.000 Verletzte gezählt. Die Polizei spricht von 2.175 Polizeieinsätzen in 17 Tagen, von 379 (einfachen) und 120 (gefährlichen Körperverletzungsdelikten), insgesamt also 499 Gewaltdelikte in 17 Tagen (Quelle: Wiesn-Report 2011 des PP München vom 03.10.11, Augsburger Allgemeine vom 03.10.2011). Statistisch gesehen ist daher das Risiko, verletzt zu werden, auf dem Oktoberfest um ein vielfaches höher als bei einem Stadionbesuch.

Die Arbeitsgemeinschaft Fananwälte kritisiert, dass von Seiten der Polizei, der Verbände sowie Teilen der Medien suggeriert wird, Vereine und Strafverfolgungsbehörden hätten in der Vergangenheit zu viel Toleranz gegenüber Fußballfans an den Tag gelegt. Das Gegenteil ist richtig: Bereits jetzt sprechen Vereine auf Drängen der Polizei Stadionverbote aufgrund bloßer Verdachtsmomente aus, die sich nach der Durchführung von Ermittlungen durch die Strafverfolgungsbehörden oftmals nicht bestätigen.
Ebenso werden gegen Fußballfans regelmäßig präventivpolizeiliche Maßnahmen wie beispielsweise Aufenthaltsverbote (z.B. Stadtverbote/Bundeslandverbote), Ausreiseverbote oder Meldeauflagen verhängt, die oftmals offensichtlich unverhältnismäßig sind.

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Fananwälte stellen fest, dass Staatsanwaltschaften und Gerichte bei der Verfolgung von vermeintlichem Fehlverhalten der Fußballanhänger wesentliche härtere Strafen beantragen bzw. verhängen als im Strafrecht ohne Fußballbezug. An einigen Gerichtsorten begegnen Angeklagte einem ausgesprochenen Sonderstrafrecht für Delikte im Zusammenhang mit Fußballspielbesuchen.
Die öffentliche oder faktische Ausgrenzung ganzer Fangruppen (durch Abschaffung von Stehplätzen oder Preiserhöhungen, durch den Ausschluss von Gästefans etc.) wird keinesfalls zu einer Befriedung der Situation beitragen. Im Gegenteil: Wenn weite Teile der Fans sich nicht ernstgenommen fühlen, als unerwünscht gelten, übertriebene staatliche Repression sowie lediglich auf Verdacht ausgesprochenen mehrjährige Stadionverbote auferlegt bekommen und auch medial nur als dumpfe unerreichbare Gewalttäter wahrgenommen und dargestellt werden, so leistet man eher einer Radikalisierung der Betroffenen Vorschub. Am Ende stehen weitere Gewaltausbrüche und erneut der Ruf nach (noch) mehr Repression und Ausgrenzung.

Und letztlich wird es wohl auch im Interesse der Vereine und Verbände liegen, die überwiegend aus jungen Menschen zusammengesetzte Gruppe der Ultra-Fans an den Fußball zu binden. Fußballkultur und Atmosphäre in den Stadien hängt untrennbar mit dem unermüdlichen Einsatz dieser treuen Fans für Ihre Mannschaften zusammen. Selbst jene Funktionäre und Manager, deren Interessenfokus auf einer optimalen Vermarktung der „Ware Fußball“ liegt, sollten diesem nachhaltigen „Wertfaktor“ freundlich begegnen.

Hierzu leisten die Fanprojekte einen sehr überaus wichtigen Beitrag – auch und gerade zur Gewaltprävention. Daher können erfolgreiche Lösungen nur über eine Stärkung dieser sozialen Institutionen führen. Auch in Zeiten angespannter Haushalte der öffentlichen Hand, dürfte eine großzügigere Finanzierung keinen unlösbaren Schwierigkeiten begegnen: Jeder Euro der in diese Jugendsozialarbeit fließt, spart ein Vielfaches an Aufwendungen für polizeiliche Gefahrenabwehr und justizielle Repression. Auch darf man von den Mitgliedsvereinen der DFL sicher verlangen, dass ein relevanter Teil der Mehreinnahmen für die mediale Rechteverwertung zur Förderung der konstruktiven Arbeit mit Fußballfans zur Verfügung gestellt wird.

12. Juli  2012
Arbeitsgemeinschaft Fananwälte