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Lesung: „Fieberwahn“ mit Christoph Ruf

Ruf

Wir freuen uns zu einer hochaktuellen Thematik den Autor des Buches „Fieberwahn – Wie der Fußball seine Basis verkauft“ Christoph Ruf im Fanprojekt Trier begrüßen zu dürfen.

Kurz vor Beginn der Rückrunde gibt er uns Einblick in aktuelle Fehlentwicklungen im Fußball, im Anschluss besteht Raum für Diskussionen. Hier ein kleiner Ausblick was euch erwartet:
„Hinter der glitzernden Fassade des Profifußballs brodelt es. Fans fühlen sich entmündigt und schikaniert, die Proteste gegen Kommerzialisierung und Kollektivstrafen nehmen an Vehemenz zu und werden längst nicht nur von Ultras getragen. An der Basis, von den Amateurvereinen bis zur 3. Liga, wächst die Wut auf Verbände, die sich nur noch um die Branchenriesen kümmern. Und vor der Tür lauern Veränderungen, die das Ende des Volkssports Fußball einläuten. Christoph Ruf hat mit Fans, Funktionären und Trainern gesprochen. Sein Fazit: Der deutsche Fußball sägt gerade den Ast ab, auf dem er sitzt.“

Der Eintritt ist frei!

Vortrag + Diskussion mit Alexander Feuerherdt: „RB Leipzig – Der Untergang des Fußballs?“

Feuerherdt

– Über das Kicken im Kapitalismus und die Sehnsucht nach einem fragwürdigen Idyll –

Kaum etwas bringt die Fanszene hierzulande derzeit so in Wallung wie RB Leipzig. Glaubt man den zahllosen Statements, die es seit der Gründung des Klubs im Jahr 2009, vor allem aber nach seinem Aufstieg in die Zweite Liga gab – im Stadion wie in Ultra-Foren, in Fanzines wie in den sozialen Netzwerken –, dann droht mittelfristig nicht weniger als der Untergang des Fußballs mitsamt seiner geheiligten Tradition und Fankultur. Denn das „zentrale Anliegen“ des „sächsischen Kunstvereins“, so formulierte es der Chefredakteur der Zeitschrift „11 Freunde“, sei nicht das Kicken, sondern „die Profitmaximierung“: „Spitzenfußball und familienfreundliches Entertainment nach amerikanischem Vorbild, alles immer im Dienste der Marke Red Bull.“

Ein etwas merkwürdiges Argument. Schließlich sind die meisten Profiklubs längst selbst Konzerne geworden, die – so ist das im Kapitalismus notwendigerweise – Profitmaximierung betreiben und deren Funktionäre letztlich nichts anderes sind als Unternehmer. Nur verkaufen sie keine Getränkedosen, sondern die Ware Fußball und suchen sich zu diesem Zweck potente Sponsoren. Und sie brauchen – genau wie Red Bull und jedes andere Unternehmen auch – Kunden, die ihr Produkt kaufen. Dass diese Kundschaft aus Fans besteht, die davon überzeugt sind, dass der eigentliche Daseinszweck ihres Lieblingsklubs noch immer das Fußballspiel als solches ist, macht das Marketing erheblich einfacher, weil emotionale Bindung – auch über den Verweis auf „Tradition“ und „Fankultur“ – umsatzfördernd ist. Das mag herzlos klingen, aber die Totalität der kapitalistischen Vergesellschaftung hat den Fußball nun mal längst eingeschlossen.

Um die Proteste gegen RB Leipzig und ihre Motivation, um den Fußball im Kapitalismus und um die Problematik, die mit der Romantisierung des scheinbar Ursprünglichen und Authentischen einhergeht, soll es im Vortrag von Alex Feuerherdt gehen. Der Referent ist freier Publizist und lebt in Köln. Er schreibt für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften, unter anderem für „Konkret“, die „Jungle World“, ntv.de und die „Jüdische Allgemeine“.

 

Hier geht es zur Facebookveranstaltung:

https://www.facebook.com/events/1744055268959804/

 

Die Veranstaltung finde im Rahmen des „Laut aber freundlich – Festivals“ am Sonntag den 10.12.2017 um 13 Uhr im Exhaus Trier statt.

 

Hier der Link zum „Laut aber freundlich“ Festival:

https://www.facebook.com/events/1513469248732421/

Ein paar Gedanken zum Boykott von Insane Ultra

Offensichtlich sind die Fronten gerade ziemlich verhärtet – Insane Ultra boykottiert den Besuch der Spiele weil Hausverbote ausgesprochen wurden.

Wenn irgendwas passiert bei Eintracht Spielen sind die Ultras ja sowieso immer erstmal verdächtig. Das ist manchmal richtig, manchmal nicht und dazwischen liegt die Wahrheit auch hin und wieder.

Anlassgebend für die aktuellen Hausverbote sind eine Auseinandersetzung von Trierer und Offenbacher Fans an der Porta Nigra sowie eine eben solche von Trierer Fans mit Ordnern im Moselstadion.

Wir als Fanprojekt lehnen Gewalt kategorisch ab und finden, dass dies auch strafrechtlich verfolgt werden muss. Was viele Außenstehende dann oft vermengen ist, dass der strafrechtliche Aspekt eben nicht alles an Konsequenz darstellt, sondern ein Stadionverbot als zivilrechtliche Extra-Maßnahme „on top“ dazu kommt. Wer mehr wissen will fängt am besten mal mit den Stadionverbotsrichtlinien des DFB an. Das hat auch wie weiter unten stehend beschrieben wird konkrete Auswirkungen. Gerne könnt Ihr euch bei speziellen Fragen auch an uns wenden.

Zum besseren Verständnis worum es den Ultras geht halten wir es für angebracht, kurz den üblichen Weg bis zur „Verhängung eines Stadionverbots“ zu skizzieren: Sinn und Zweck des Stadionverbots scheint sich direkt klar zu erschließen: Wer sich im Stadion nicht an Regeln hält darf nicht mehr kommen. Analog dazu der Ladendiebstahl im Supermarkt, der auch zu Strafanzeige und Hausverbot im Laden führt. In der Praxis der Stadionverbote ist es aber nicht immer so eindeutig wie gerade griffig beschrieben.

Ein Stadionverbot kann und soll auch ausgesprochen werden für Verhalten außerhalb des Stadions. Verantwortlich für die Entscheidung und Umsetzung sind die jeweiligen Bezugsvereine, hier logischerweise die Eintracht. Praktisch soll nach einem Vorfall die Polizei bei den Vereinen aufgrund von Anfangsverdachten und Einleitung eines Ermittlungsverfahrens ein Stadionverbot beantragen. Die Verbote fallen also nicht einfach vom Himmel. Dennoch: Bis hier eine richterliche Entscheidung vorliegt vergeht erfahrungsgemäß in der Regel mindestens 1 Jahr. Der Verein soll jedoch zeitnah zum Vorfall, also bei Einleitung eines Ermittlungsverfahrens, schon über ein Hausverbot / Stadionverbot entscheiden.

Fans jedenfalls finden es ungerecht, dass aus Ihrer Sicht Stadionverbote auf Verdacht ausgesprochen werden. Und es geht dabei nicht immer um Vorfälle innerhalb eines Stadions – dennoch soll dann ein Fußballverein Maßnahmen ergreifen. Und selbst ein eingestelltes Verfahren – hier liegt der Teufel im Detail – führt nicht immer automatisch zu einer Aufhebung des Stadionverbots. (Details siehe Stadionverbotsrichtlinien)

Nur um das noch mal klar zu stellen: An den Ursachen, also den beiden Vorfällen, gibt es nichts schön zu reden. Aber in der Stadionverbotsfrage kann es dann auch mal einen oder mehrere Fan(s) zu Unrecht treffen, denn logischerweise führen nicht alle Ermittlungsverfahren zu einer Verurteilung. Wir können es nachvollziehen, wenn solche Fälle zu Unmut führen.

Möglicherweise macht dies die Reaktion der Ultras verständlicher. Und auch wir finden, dass es zwar Gründe für Stadionverbote gibt, der Weg dahin aber ein anderer sein sollte. Außerdem sollte unserer Meinung nach auch über Alternativen und Bewährungsmodelle nachgedacht werden.

Einigungen zum gemeinsamen Umgang miteinander in dieser Frage und Antworten auf weitere strittige Fragen sind unserer Meinung nach möglich. Klar ist jedoch, dass beide Seiten dafür auch an einem Austausch und Dialog interessiert sein müssen. Auf beiden Seiten wurde Porzellan zerschlagen – das anzuerkennen könnte schon der erste Schritt in die richtige Richtung sein.

Als Fanprojekt bieten wir uns gerne an, einen Weg in diese Richtung zu begleiten.

Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz

Die DFB-Kulturstiftung bietet vom 21.3-25.3.2018 eine Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz an. Dort wird sich auf die Spurensuche anlässlich des 75. Jahrestages der Deportation von Julius Hirsch begeben. Eine äußerst spannende und sicherlich auch sehr prägende Erfahrung, die wir euch nur ans Herz legen können. Falls ihr euch für einen der 32 Plätze bewerben möchtet könnt ihr gerne Kontakt zu uns aufnehmen.

https://www.dfb.de/dfb-kulturstiftung/news-detail/jetzt-bewerben-gedenkstaettenfahrt-auf-den-spuren-von-julius-hirsch-177165/