Südamerika Bericht

Reisebericht Südamerika (Fortführung aus der Eintracht-Fibel)

Bericht von Pascal Berens

 

Der Flieger aus Luxemburg brachte meinen Bruder und mich nach Paris. Unser Halt war jedoch auf den kurzen Umstieg in die nächste Flügelmaschine begrenzt. Das Wort „kurz“ sollte sich dann bei unserer Ankunft in Bogotá (Kolumbien) rächen, teilte man uns dort früh morgens beim Gepäckband mit, dass die Zeit in Paris nicht gereicht hatte, um unsere Rucksäcke umzuladen und diese erst mit der nächsten Maschine nachkommen würden. Das wäre dann morgen oder übermorgen der Fall. Ehm ja, wohl dem, der im kleinen Handgepäck auch seine Zahnbürste und paar Wechselklamotten transportiert. Dies traf allerdings nur auf meinen Bruder zu. Ich bekam dafür von der Airline ein Notset bestehend aus einem Werbe-T-Shirt und Hygieneartikeln. Mit diesem wenigen Gepäck und der Zusage, dass man unser Gepäck ins Hotel bringen würde, ging es per Taxi zu eben diesem Hotel für den Check In. Lasst euch gesagt sein, dass es wirklich hilfreich ist, wenn man in Südamerika zumindest etwas spanisch beherrscht, denn englisch spricht hier kaum jemand. Aber der weitere Bericht beweist ebenso, dass es auch ohne geht, sprechen doch weder mein Bruder noch ich auch nur ein Wort spanisch.

Nachdem der Check In gemeistert war, wurde die nähere Umgebung noch erkundet. Fazit, extrem warm und schwül. Top für jemanden wie mich, der zu diesem Zeitpunkt nur eine lange Jogginghose sein Eigen nennen konnte. Trotz der Hitze wurde schon mal das Stadion für den Abendkick zwecks Kartenbeschaffung aufgesucht. Das klappte auch problemlos und so wurde sich noch kurz im Hotel ausgeruht bzw. abgekühlt.

 

Samstag 07.09.2019 Independiente Santa Fe – Millonarios FC 1:0

Clásico Bogotáno, Clásico capitalino, oder wie wir in Deutschland sagen würden Bogotá-Derby bzw. Hauptstadtderby. Die Spieltagspaarung passte perfekt für unser erstes Spiel in Südamerika. Und das war kein Zufall, hatte man sich doch die grobe Ansetzung der Spieltage im Voraus rausgesucht und gerade diesen ins Auge gefasst. Nicht nur das Hauptstadtderby sollte nämlich an diesem Spieltag stattfinden, sondern auch viele Weitere. So ist es in Südamerika nämlich nicht unüblich, dass etliche Derbys eines Landes an einem Spieltag ausgetragen werden. In Deutschland wohl undenkbar. Man stelle sich mal vor, die Bundesliga würde S04 – BVB, Köln-Gladbach, HSV-Bremen, Trier-Saarbrücken und München Blau gegen München Rot an einem Spieltag stattfinden lassen.

Aber zurück nach Südamerika.

Viel hatte man zuvor über den dortigen Fanatismus, die Fußballbegeisterung sowie die Stimmung im Stadion gelesen. Fanatismus, der sowohl für positive, aber auch für hässliche Situationen verantwortlich ist. So sorgt er auf der einen Seite für eine unglaubliche Stimmung und Begeisterung der Fußballanhänger und auf der anderen Seite aber leider auch für Todesopfer durch Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Fans. Diese tragischen Opfer führen dann unweigerlich zu Maßnahmen, die den Fanatismus wiederrum eindämmen. Zu diesen Maßnahmen zählen z.B. generelle Gästefanverbote wie z.B. in Argentinien (inzwischen gibt es allerdings seltene Ausnahmen vom Gästeverbot). Trotz einiger unschöner Vorfälle in den letzten Jahren blieb der Fußball im nach Christoph Kolumbus benannten Land – Kolumbien – von solchen Maßnahmen verschont, sodass es nun an der Zeit war, sich von deren Fanatismus selbst zu überzeugen und sich ein eigenes Bild von deren Fußballverständnis zu machen.

Und was passt da besser als ein Derby?

Knapp eine Stunde vor Anpfiff am Stadion, das auf den Namen El Campín hört, angekommen, war dort schon einiges los. Das erste was auffällt sind die Zaunfahnen, die auch von außen am Stadion wehen, befestigt am Umlauf des zweiten Ranges. Drinnen dann noch viel mehr Fahnen. An der Dachkonstruktion hochgezogen, an den Banden und an den Wellenbrechern. Dazu dann in der Kurve die für Südamerika typischen durch den Block gespannten Bänder. Hier gehört dieses Bild zum absoluten Standard, hat man wohl gemerkt, dass Sicherheit und Fanmaterialien wie Fahnen in keinem Zusammenhang stehen. Gerade in dieser Thematik könnten sich zuhause einige ein Beispiel drannehmen. Koblenz zum Beispiel, weil Materialverbote vollkommen Sinn frei sind und Fanmaterialien definitiv kein Sicherheitsrisiko für ein Stadion sind.

Hier im knapp 36.000 Mann fassenden Stadion wurde auf jeden Fall alles mit Stoff geschmückt. In den Farben Rot/Weiß bei den Hausherren von Santa Fe und Blau/Weiß bei den Gästen, die einen recht großen Teil Ihrer eigenen Kurve in Beschlag nehmen konnten. Beide Vereine nutzen das gleiche städtische Stadion im Stadtteil Santa Fe, der ca. so groß wie ganz Trier ist. Pünktlich zum Pfiff des Schiris wurden von beiden Seiten Blockfahnen/Choreos gezeigt und von da an, waren die Augen zu 90 % auf die Kurven und nicht mehr auf den Platz gerichtet. Einfach phänomenal diese Stimmung. Trommeln, Trompeten, mir unbekannte Melodien, Rhythmus – ein Orgasmus für die Ohren. Dazu das Bild, wie Jugendliche auf den Wellenbrechern stehen, sich an den gespannten Bändern festhalten und einfach nur abgehen. Daneben der etwas ältere Herr mit Vereinstattoos auf dem freiliegenden Oberkörper, der seinen Regenschirm (natürlich in Vereinsfarben) zum Takt auf und ab bewegt. Das ist der Südamerikanische Stil, von dem immer wieder zu lesen war. Wir waren begeistert.

Während wir also das Kurvenspektakel der gefühlt 30.000 (offiziell 18.750) Hinchas, wie man die Fans vor Ort nennt, genossen, mussten unten die Spieler bei einer für uns fast unerträglichen Hitze schwitzen ohne Ende. Dabei vertraten die in Rot auflaufenden Spieler, dem Volksmund nach, den raueren Süden und die blauweißen Gäste den wohlhabenden Norden. Wie passend dazu der Vereinsname Millonarios. Wobei Millionen Beträge in den hiesigen Breitengraden wohl nur in den Hochzeiten der Drogenkartelle an der Tagesordnung waren. Übrigens mischten die Drogenkartelle früher auch im kolumbianischen Fußball mit. Von Drogengeldern wurden Stadien gebaut, üppige Spielergehälter gezahlt, Elfmeter und gar Meisterschaften gekauft. Dreckiges Geschäft. Heute stecken im örtlichen Fußball im Vergleich zu früher und zum heutigen Europa vergleichbar nur noch geringe Summen. So dürfte ein Großteil der Bayernspieler alleine wohl mehr verdienen und einen größeren Marktwert haben, als ein ganzes kolumbisches Fußballteam zusammen. Mit welchem dreckigen Geld wohl heute die Gehälter, Stadien, Weltmeisterschaften und Co in Europa gezahlt werden? Ach lassen wir das.

Halbzeitpfiff. 15 Minuten Pause, zumindest für die aktiven Akteure in verschwitzten Trikots. Die Fans auf den Rängen beleidigten lieber lauthals die ca. 5.000 Gästefans, welche dem in nichts nachstanden, sodass die Stimmung sich weiter aufheizte. Als dann die ersten Gegenstände flogen, vermummte sich ein Teil der Gästefans und versuchte die Polizeiabsperrung in Richtung Heimfans zu durchbrechen, was allerdings durch die anwesende Polizei unterbunden wurde. Die Gemüter beruhigten sich, als die Spieler wieder den Rasen betraten. Es folgten wieder Szenen wie in Halbzeit eins. Grandiose Stimmung in beiden Kurven sowie der Gegengerade und auf dem Platz wurde dazu etwas der Ball umhergekickt. Guter Fußball sieht anders aus, aber dafür waren wir ja nun mal auch nicht hier. Sportlich sollte dann allerdings Santa Fe die große Sensation gelingen, indem man als Tabellenletzter den Derbysieg durch ein schmeichelhaftes 1:0 gegen die besser positionierten Gäste einfahren konnte. Nach Abpfiff wurde noch kurz der Siegesfeier der rot-weißen Fans beigewohnt, ehe man vor dem Stadion im Stadtteil noch nach etwas Essbaren suchte und auch fündig wurde. In Kolumbien werden vor dem Stadion auf kleinen selbstgebauten Grills Fleisch- und Kartoffelspieße angeboten. Hygienisch bedenklich, aber einfach sau lecker. Damit schloss man dann auch das erste Fußballspiel in Südamerika perfekt ab und als Fazit konnten wir beide nur sagen: Phänomenal ! Obwohl wir in Europa und auch in Asien sowie Afrika schon einiges gesehen haben, war das hier doch etwas ganz Anderes und die Reise hatte sich jetzt schon gelohnt – Vamos Santa Fe.

Ach und wenn Ihr mal eins der hässlichsten bzw. langweiligsten Vereinslogos der Welt sehen wollt, googelt mal das von Santa Fe.

Sonntag 08.09.2019 Deportivo Independiente Medellín – Atletico Nacional 1:4

Nächster Tag, nächstes Spiel. Doch zuerst musste noch unser Gepäckproblem gelöst werden. Die Dame des Hotels, gab morgens aber direkt Entwarnung. Man hatte unsere zwei Rücksäcke wohl in aller Herrgotts Frühe im Hotel vorbeigebracht und so konnte man nach einer erfrischenden Dusche auch endlich wieder die Kleidung wechseln. Kurze Hosen sind bei den hiesigen Temperaturen einfach unverzichtbar, selbst am frühen Morgen. Passend gekleidet ging es also wieder zum Flughafen und mit dem ersten Flieger nach Medellín. Anwesend waren auch andere deutsche Fußballreisende, die sich die gleichen Spiele rausgesucht haben und ebenfalls diesen Billigflug bevorzugten. Unter anderem aus Darmstadt und da diese uns in Ihrem Fanzine netterweise grüßten, auch an dieser Stelle „Grüße zurück“. Mehr lesen liebe Leute, dann findet Ihr vielleicht auch einmal in einem Heft oder Buch Grußworte die an euch gerichtet sind. Zudem bildet Lesen ungemein.

Zu Medellín; früher wohl mal die gefährlichste Stadt der Welt durch die blutigen Drogenkriege, ist dies heute zum Glück Geschichte, wenngleich diese Zeit noch nicht lange zurückliegt und ihre Spuren hinterlassen hat. Aber dazu später mehr, wenn ich etwas zur Stadt selbst schreibe. Der heutige Tag wurde nämlich komplett dem runden Leder gewidmet. Heißt nur kurz im Hotel das Gepäck ablegen und direkt weiter in Richtung Stadion. Vor Ort unglaublich geile und aufwändig gemalte Graffitis mit Bezug zu Stadt und Verein; wunderschön anzusehen. Karten für das Spiel konnten dann auch direkt am Stadion gekauft werden, nachdem ein Einmischer uns zum Ticketshop geführt hatte. Nachdem die Karten gesichert waren, drehten wir eine Runde ums Stadion. Wieder eine riesige Schüssel aus Beton, ohne viel Firlefanz wie LED Wände oder dergleichen. Ebenfalls anwesend am Stadion waren bereits die örtlichen Supporter/Ultras/Hincha von Atletico. Diese hatten vor Ihrer Kurve bereits einen großen Haufen an Stoffen angehäuft und daneben standen etliche Behälter, die in Ihrer Form an Feuerlöscher erinnern. Direkt hatten mein Bruder und ich ein riesen Grinsen im Gesicht, war damit doch klar, dass wir heute nicht nur das typische Bild mit unzähligen Fahnen, sondern auch eine typische südamerikanische Pyroshow zu sehen bekommen würden. Die Art Feuerlöscher sind nämlich nichts Anderes als große Rauchdosen, bei denen der Rauch mit Hilfe eines Gasgemisches in die Luft freigesetzt wird. Dies sorgt immer wieder für atemberaubende Bilder und ist hier legal. Für Deutschland und den DFB wohl mal wieder nicht vorstellbar, schließlich ist Pyro immer gleich Randale. Aber bevor es diese Pyroeinlage zu bestaunen gab, feuerten die Fußballfanatiker in der Stadt schon an etlichen Ecken Feuerwerk in die Luft und feierten Ihre Teams, wobei diese wohl noch genüsslich im Hotel saßen und zu Mittag aßen. Rund ums Stadion herrschte aber schon reges Treiben und außer uns war jeder entweder in Rot (Deportivo Independiente Medellín, abgekürzt DIM) oder Grün (Atletico Nacional) gekleidet. Besonders auffällig dabei, dass viele Paare und Familien unterwegs waren, die nicht das gleiche Team unterstützten. Schön zu sehen, dass in diesem Punkt eine friedliche Abneigung zueinander besteht und man die Rivalität fast ausschließlich im Stadion austrägt. Ausgenommen sind dabei wohl nur die Barras, wie man den harten Kern der Kurven hier bezeichnet, die untereinander ihre Rivalität auch auf der Straße austragen. Einzuordnen sind die Barras irgendwo zwischen Ultras und Hooligans, mal mehr, mal weniger friedlich und doch hauptverantwortlich für das hiesige Kurvenbild und die Stimmung. Die Stunden bis zum Anpfiff verbrachten wir dann im rotgrünen Gewusel. Vornehmlich mit kühlem Bier in der Hand und den Kopf im Schatten und beobachten das Treiben. Was schon nach kurzer Zeit auffiel, waren die Verkäufer von Süßkram wie Bonbons und Lutschern, die aber vornehmlich weißes Pulver verkauften, was jedoch kein Zucker war. Die Polizei schaute dem genauso desinteressiert zu wie wir Zwei. Knapp eine Stunde vor Anpfiff betraten wir dann das Stadion Atanasio Girardot, was wie viele Stadien des Landes nach einem Freiheitskämpfer benannt ist, und vorbei war es mit dem Schatten. Das Stadion hat zwei Ränge und nur ein ganz kleiner Teil der Haupttribüne ist überdacht. Sieht richtig geil aus, aber bei der Sonneneinstrahlung und der Hitze für uns Weißbrote kaum auszuhalten. Für die anderen 37.990 Zuschauer allerdings überwiegend kein Problem. Überwiegend, da immer wieder Personen aus den Kurven getragen wurden. Unser Nebenmann meinte, der Grund seien wohl Kreislaufzusammenbrüche wegen dem Wetter in Kombination mit Drogenkonsum. Passiert hier wohl leider öfters, so routiniert der Abtransport verläuft und das restliche Publikum dem Ganzen erst gar keine Aufmerksamkeit schenkt. Etwas weniger als die Hälfte der nicht zusammengebrochenen Menschen, so ca. 15.000 drückten den Grünen, also Atletico Nacional die Daumen im heutigen Clásico Paisa, wie das Derby der zweitgrößten kolumbischen Stadt genannt wird.

Mit Einlaufen der Mannschaften bekamen wir dann wie erwartet die imposante Rauchshow mit den Feuerlöschern zu sehen. Dafür stellten sich die „Übeltäter“ in Seelenruhe rund um den Rasen auf und warteten auf das Startsignal. Unter den „Übeltätern“ waren nicht nur Mitglieder der Barra, sondern auch Touristen, die sich eine Teilhabe an dem Spektakel online erkauften. Geld aus der Fankultur zu schlagen, irgendwie nicht so prickelnd. Das optische Gesamtbild wurde davon aber nicht getrübt. Vielmehr trübte sich die Sicht im gesamten Stadion, da nicht nur die grünen, sondern auch die roten Hinchas was fürs Auge boten und so hüllte sich das Stadion fortan in grünen und roten Rauch. Ein Bild für ein preisgekröntes Bilderbuch.

 

Was mir im Bezug zur Fankultur hier wiederum richtig gut gefiel, waren Fanordner. Diese waren in den spärlich vom Rasen abgetrennten Kurven in vorderster Front an Ihren Überziehwesten zu erkennen und sorgten dafür, dass der Mob von diesen Absperrungen weitestgehend fernblieb, Streitereien ohne Polizei geschlichtet wurden und auch die Leute die dem Wetter/Drogen geschuldet wohl Kreislaufzusammenbrüche erlitten, schnellstmöglich abtransportiert wurden. Im Gegenzug war dafür im Stadion kaum Polizei vorhanden, allerdings rings ums Stadion in stattlicher Anzahl anwesend. Dennoch ein sehr deeskalierendes Auftreten. So wünsch ich mir das. Es waren noch keine 10 Minuten gespielt, da folgte von DIM die nächste optische Aktion. Diesmal eine Zettelchoreo, die aber leider nicht zu erkennen war; schade. Auch im weiteren Spielverlauf zeigte das heutige Heimpublikum unzählige Blockfahnen, sodass ich auf Bildern nachgucken müsste, wie viele dies genau waren. Einige der sehr detailreichen Blockfahnen waren mit Städtenamen der US und A versehen und gehörten wohl Auswanderern (Sektionen), die die Liebe zum Heimatclub nie verloren haben und extra angereist waren, um diesen zu unterstützen. Da man andauernd damit beschäftigt war, die nächste Aktion vorzubereiten, litt darunter leider etwas die akustische Unterstützung.

Da gefielen mir die Gäste heute besser, die sehr kompakt in der Kurve standen und sich eher auf die Akustik fokussierten und es dabei oft schafften, dass sich am Support mehr als 10.000 Stimmen beteiligten. Da sang stellenweise wirklich jeder mit, vom Kleinkind bis zum Uropa. Dieser Stimmorkan kam wohl auch auf dem Platz an und so führten die Grünen zur Halbzeit bereits mit 3 zu 0. In der Pause wurde dann auch uns vom Nebenmann etwas vom weißen Pulver, das früher so viel Leid über die Stadt brachte, angeboten. Aber nein danke, unsere Droge ist der Fußball. Ok und Bier, was es im Stadion aber nur in der alkoholfreien Variante gab. Nach Wiederanpfiff dauerte es dann auch nicht lange, bis das 4:0 fiel. Sportlich definitiv verdient, war man doch klar das bessere Team. DIM gelang zwar noch der Ehrentreffer zum 4:1, aber auch das stimmte die Fans nicht zufrieden. Für ein Derby war das auf dem Platz einfach zu wenig.

Bevor wir das Stadion nun mit den herausströmenden Massen verließen, genossen wir noch lieber den Blick aus dem Stadion heraus in die Nacht. Durch die offene Bauweise, kann man aus dem Oberrang direkt einen Blick auf die benachbarten Hochhäuser und die in der Ferne leuchtenden Lichter der in die Hänge gebauten Armenviertel werfen. Den Tagesabschluss machte dann wieder einer dieser kleinen selbstgebauten Grills, wo wiedermal vorzüglich gegessen wurde. Da es im Anschluss immer noch mega warm war, blieben wir trotz später Stunde noch draußen in der Nähe des Grills sitzen und sorgen mit unserem Bierdurst wohl für einen top Tagesumsatz. Schließlich soll man bei warmen Temperaturen ja viel trinken, sag zumindest unsere Oma immer.

Der Tourstart war rundum gelungen, auch wenn er sehr fußballlastig startete. Das sollte sich heute auch mal ändern und so wurde die Stadt Medellín erkundet. Durch seine Vergangenheit als Drogenhotspot von Kolumbien wird die Stadt seit den 80er Jahren immer mit dem wohl bekanntesten Drogendealer Pablo Escobar sowie dem sogenannten Medellín-Drogenkartell in Verbindung gebracht, was bis heute anhält. So können etliche Escobar-Führungen in der Stadt selbst oder auch außerhalb, wie beispielsweise zum Areal der „Hacienda Nápoles“ gebucht werden. „Hacienda Nápoles“ war der riesige Luxuslandsitz von Don Pablo, wie er genannt wurde. Das Anwesen umfasste einen Flugplatz, einen Hubschrauberlandeplatz, eine Stierkampfarena, sechs Swimmingpools, künstliche Seen für Wasserski sowie einen eigenen Zoo mit vielen exotischen Tieren. Die Flusspferde aus dem damaligen Zoo haben im Gegensatz zu den meisten anderen Tierarten bis heute überlebt und sich zudem vermehrt, sodass bis heute ca. 80 Flusspferde in der Gegend leben. Ebenfalls besichtigen kann man das Gefängnis „La Catedral“, bzw. was von diesem übriggeblieben ist. Dieses Gefängnis wurde von Escobar selbst gebaut nach seinen eigenen Vorstellungen und dort wurde er dann später „inhaftiert“ für unzählige Auftragsmorde während den Drogenkriegen usw. nachdem er sich freiwillig „gestellt“ hatte. Aber genug zu den Escobar Geschichten, da wir keine dieser Touren machten. Zum einen sind diese recht teuer und zum anderen hatte zumindest ich im Voraus so viel dazu gelesen, dass eine solche Tour keine neuen Erkenntnisse versprechen würde. Diese Vergangenheit der Stadt in Verbindung zu den harten Drogen bekamen wir auch in den nächsten Tagen bei einer nächtlichen Uber-Fahrt auf erschreckende Weise vor Augen geführt. Nachdem unser Fahrer eine Abkürzung durch ein Industrieviertel fuhr, lagen in einer Seitengasse ungelogen mehrere hundert (!) Menschen auf der Straße, um dort zu schlafen. Laut Fahrer alles drogenabhängige Obdachlose die dort neben den Ratten ihr Nachtquartier „aufschlagen“. Erschreckend und manch einer, auch in Trier, sollte sich gerade über den übermäßigen Konsum von harten Drogen und deren Folgen Gedanken machen. Ist nicht alles Friede, Freude, Party die ganze Nacht.

Statt Uber nutzten wir die Tage in Medellín jedoch viel lieber den öffentlichen Nahverkehr, um die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Dieser besteht in Medellín nicht nur aus Bussen und Straßenbahnen, sondern auch aus mehreren, den Straßenbahnen angeschlossenen, Seilbahn. Durch diese Seilbahnen, die hauptsächlich zwischen den Elendsvierteln auf den umliegenden Hügeln verkehrt, haben die Bewohner dieser Viertel besseren Anschluss an die Versorgung sowie den Arbeitsmarkt in der Stadt. Ein wirklich innovatives und gutes Model, was zum besseren Lebensstandard beiträgt. Also fuhren wir Hügel rauf und runter und schauten uns die jeweiligen Viertel an. Zu sehen gibt es dort aber touristisch gesehen nichts. Interessant sind allerdings diverse Kunstwerke aus der Dose, mit der die Jugend, aber auch Ältere, die Viertel verschönert haben. Auffällig sind hier besonders die vielen Graffitis mit Fußballbezug sowie Weihnachtsmotive mit Weihnachtsbaum und Weihnachtsmann. Kurios.

In Bezug auf Kunst besonders hervorzuheben ist „Comuna 13“, wie der Stadtteil San Javier amtlich heißt. Der Stadtteil, mit der ehemals höchsten Mordrate weltweit, bedingt durch die zuvor erwähnten Drogenkriege zwischen Kartellen und Regierung, hat sich sozusagen um 180 Grad gedreht und ist inzwischen ein Vorzeigestadtteil und Anlaufpunkt für Touris. Dies liegt zum einen an einem weiteren innovativen Bauvorhaben und zum anderen an den Bewohnern selbst. Im Jahr 2011 wurde eine Riesen-Freiluftrolltreppe in das Viertel gebaut, welche einen Höhenunterschied von umgerechnet rund 28 Stockwerken überwindet. Eine riesige Erleichterung für das tägliche Leben der Bewohner. Zudem wurde die Jugend des Viertels über Kunst in Form von Graffiti und Hip-Hop sozialisiert. Man zeigte den Leuten auf, dass es andere Wege als Kriminalität gibt. So ist inzwischen jede einzelne Gasse eine Galerie für deren geschaffene Kunstwerke und mit den dadurch kommenden Touristen lässt sich so auch gutes Geld verdienen. Wie man so Geld machen kann, hat sich auch ein kleines Kind abgeschaut, dass auf einem Bolzplatz kickte und andere (uns miteingeschlossen) mitkicken ließ, dafür im Anschluss aber um eine kleine „Ballmiete“ bat. Eigentlich eine schöne Touriabzocke, aber bei dem sympathischen Kerlchen zahlte man diese ausnahmsweise gerne, ging ja schließlich um Fußball.

Am nächsten Tag wurde dann der Hausberg von Medellín aufgesucht und auch mal im Partyviertel vorbeigeschaut. War aber beides nix für uns. Zu sehr für Touristen ausgelegt und nicht authentisch. Was uns viel besser gefiel waren die kleinen offenen Bars am Straßenrand, wo viel Zeit mit Bier und Tequila verbracht wurde. Auch Medellín-Rum wurde mal verköstigt. Dazu die gesprächsbereiten Einheimischen, auch wenn die Gespräche ohne Spanischkenntnisse oft stockten.

Neuer Tag, neues Ziel – Tagesausflug nach Guatapé.

Die Stadt ist bekannt für den Fels von Guatapé, sowie für das (Zitat Wikipedia) bunte historische Zentrum mit in Reliefkunst gestalteten Häusersockeln. Übersetzt kunterbunte kitschick gestaltete Häuser, die aber echt sehr geil aussehen. Aber bevor das Zentrum besichtigt wurde, musste noch der Fels erklommen werden. Auf die zuvor aufkommende Frage, warum auf dem Felsen die Buchstaben GI aufgemalt sind, wusste man uns eine lustige Story zu erzählen, die aber tatsächlich so abgelaufen ist. Guatapé und die Nachbarstadt El Peñol stritten sich Ewigkeiten darum, wem der Felsen den gehört. Um Ihren Besitzanspruch zu verdeutlichen, wollten Anwohner aus Guatapé Ihren Stadtnamen in weißer Farbe auf den Felsen pinseln. Dies bemerkten aber die Nachbarn und unterbanden die Fertigstellung, sodass bis heute nur ein G und ein unfertiges U also I zu sehen ist. Zur Vollständigkeit, inzwischen gehört der Fels einem tüchtigen Geschäftsmann, der Ihn billig von der Gemeinde kaufte, da er ja keinen Mehrwert habe. Der gute Herr baute aber einfach eine Treppe in den Felsen und lockte so eine Vielzahl von Touristen zu eben diesem, um so gut Kasse zu machen. Über 700 in den Felsen gebaute Stufen und über 220 Meter durfte man dafür seinen Astralkörper über diese Treppe nach oben bewegen und dass bei einer abnormalen Hitze. Trotz etlicher Pausen kamen wir dann demzufolge nassgeschwitzt oben an und konnten von der Aussitzplatzform aus den umliegenden Stausee und die jeweiligen Inseln begutachten. Echt geiler Ausblick, der sogar die Strapazen des Aufstieges wert war.

Mittwoch 11.09.2019 Deportivo Independiente Medellín – Once Caldas 1:0

Nächster Tag, nächster Programpunkt – Wandung durch den an Medellín angrenzenden Nationalpark „Parque Arvi“ hoch oben auf den Bergen, auf ca. 3.000 Meter Höhe. Kurz und bündig, sehenswerte Natur, wie Sie bei uns nicht vorkommt und einfach total entspannend. Zurück in der Stadt, stand dann aber doch wieder Fußball an. Es ging wieder zu DIM ins gleiche Stadion zum Abendspiel. Im Stadion dann wie erwartet ein komplett anderes Bild als beim Derby vor paar Tagen. Kaum Zuschauer und damit auch kaum Zaunfahnen im Stadion. Dafür aber etliche Spruchbänder die gezeigt wurden. Inhaltlich beschäftigten sich diese allesamt mit der Derbyschmach vom vergangenen Sonntag. Der Heimanhang war (zurecht) extrem angepisst von der eigenen Mannschaft bzw. von dem, was diese da gezeigt hatte. Besonders aufgefallen ist ein Spruchband, dass mit Anpfiff über die gesamte Längsseite des Platzes präsentiert wurde und dort bis zum Abpfiff hochgehalten wurde. Respekt für diese Ausdauer. Während dem Spiel machte auch die Kurve ab und an Radau, jedoch auch hauptsächlich um den Spielern zu verdeutlichen, was man vom letzten Spiel hielt. Selbst der 1:0 Siegtreffer wurde nicht wirklich bejubelt. Aber auch das ist Leidenschaft für den Fußball und seinen Verein in Reinkultur.

Positiv blieben die paarhundert Gästefans in Erinnerung, die zumindest über die volle Spielzeit Ihr Team lautstark anfeuerten und im gesamten Stadion zu vernehmen waren, da von den Heimtribünen keine Gegenwehr kam. Diese hatten mit knapp 200 KM Anreise einen vergleichsweise kurzen Anreiseweg, wenn man bedenkt, dass in Kolumbien Auswärtsfahrten auch gut und gerne mal über 1.300 KM (Cali nach Barranquilla) veranschlagen.

Donnerstag 12.09.2019 Junior de Barranquilla – Deportivo Cali 2:1 

Heute sollte mal wieder ein Flugzeug bestiegen werden, den von Medellín aus ging es zu früher Stunde an die Küstenstadt Barranquilla. Endlich konnten wir sagen, wir sind in der Karibik angekommen. Vom Miniflughafen ging es direkt in die Stadt, wo unsere Rücksäcke in unserer Bleibe abgelegt wurden. Die Bleibe, die in Wirklichkeit eine schön hergerichtete Kolonialvilla war, stellte damit zugleich auch eine der wenigen Sehenswürdigkeiten der Handels- und Industriestadt dar. Im Preis schlug sich das aber zu unserem Glück nicht nieder. Nach dem Check In erfolgte ein kurzer Spaziergang, bei dem wir einen See passierten, auf welchem ein alter Schiffskahn vor sich hin rostete. Geiles Fotomotiv, wenn man den ganzen Dreck rund um einen selbst ausblendet. Auf der neben dem Kahn liegenden Miniinsel leben wohl mehrere Obdachlose, die in den umliegenden Müllbergen nach Essen suchen oder sich alternativ am Fischfang in der Drecksbrühe vor Ihrer „Haustür“ versuchen. Bitterer Lebensalltag, der uns aber verdeutlicht wie gut wir es selbst haben und wie wichtig ein gut funktionierendes Sozialsystem ist. Von dieser traurigen Momentaufnahme wandten wir uns ab und suchten ein uns vom Taxifahrer empfohlenes Restaurant auf. Auf der Dachterrasse wurde uns dann genau das serviert, was den „Inselbewohnern“ leider fehlt, gutes reichhaltiges Essen (Reispfanne mit Scampis und Hühnchen). Jetzt kann man natürlich immer sagen, in solchen Gegenden macht man kein Urlaub und so, aber davon geht es diesen Leuten auch nicht besser und von den Tourismusgeldern können zumindest ein paar andere Bewohner der Stadt profitieren. Ein Thema über das man sicherlich noch viel weiter diskutieren könnte, aber ich berichte lieber über Fußball, den der war auch diesmal der Grund für unsere Anreise.

In Barranquilla steht nämlich das Nationalstadion von Kolumbien, indem heute gespielt werden sollte. Ende der 70iger Jahren erbaut, fasste das Stadion ursprünglich mal über 75.000 Zuschauer. Im Zuge mehrerer Umbauten, bei denen abweichend von anderen kolumbianischen Stadien auch ein durchgehendes Dach über allen Stadionbereichen errichtet wurde, sank die Kapazität auf heute ca. 50.000 Plätze, womit das Stadion aber weiterhin das größte in Kolumbien ist. Heute trat aber nicht die Nationalmannschaft an, sondern das Viertelfinale der Copa Colombia stand auf dem Plan. Der Pokalwettbewerb in Kolumbien wurde erst 2008 wieder ins Leben gerufen und wechselt seitdem fast jährlich seinen Modus, in dem er ausgespielt wird. So wird mal nur mit den Proficlubs in einer KO-Runde gespielt und mal mit den Teams der zweiten Liga zusammen zuerst in Gruppenphasen und dann erst in KO-Runden. Den Überblick hat da wohl kaum noch wer und so ist dieser Wettbewerb auf der Beliebtheitsskala wohl nicht gerade auf Platz 1. Verständlich.

Für normale Heimspiele von Junior de Barranquilla ist das Stadion mit seiner Gesamtkapazität absolut überdimensional und somit erst recht für das heutige Pokalspiel gegen den Club aus Cali. Ins Stadion kamen vielleicht 12.000 Hinchas, wobei kein einziger Gästefan auszumachen war. Bei einer Anreise unter der Woche von 1.300 KM und den Vermögensverhältnissen in Kolumbien aber auch verständlich. Die 12.000 Anhänger der „Los Tiburones“ (übersetzt Die Haie, dank der Nähe zum Küstenmeer) verteilten sich hauptsächlich auf die zwei Kurven. Diese wurden jeweils mit den bekannten Bändern und Zaunfahnen geschmückt und so wurde das Stadion von zwei Seiten aus beschallt. Zum Einsatz kamen Trommeln, Trompeten und allerlei Instrumente. Dazu geölte Stimmen, den heute gab es auch endlich nochmal Alkohol in Form von Bier im Stadion zu kaufen. Ein grundsolider Auftritt der örtlichen Barra und allen anderen Hinchas. Ebenso solide wohl unser Auftritt an der Theke des Stadions. Mit jedem neuen bestellten (Dosen-)Bier strahlte der Verkäufer mehr, auch wenn er für die Bestellung jedes Mal die Tribüne verlassen musste um unten auf dem Umlauf im Kühlschrank neue Dosen zu holen. Nicht ganz so strakt präsentierte sich das Heimteam in Rot-Weiß auf dem Rasen. Zwar konnte man das Spiel knapp und glücklich mit 2:1 gewinnen, jedoch reichte dies nicht für das Weiterkommen, da Cali im Hinspiel ebenfalls 2:1 gewonnen hatte. Die Entscheidung musste also im 11er Schießen ermittelt werden. Hier konnte sich dann Cali mit 4:3 durchsetzen und zog so, dem Spielverlauf nach verdient, ins Halbfinale ein, welches auch gewonnen wurde. Im späteren Finale unterlag Cali dann aber nach Hin- und Rückspiel Medellín (DIM) mit 3 zu 4.

Zum Team Junior de Barranquilla gibt es aber noch eine kleine Info. Wie oben erwähnt, hört das Team auf den Spitznamen „Die Haie“. Folglich ist also welches Tier das Teammaskottchen? Richtig, eine Eule. Wie es dazu kam wird sich jetzt wohl manch einer fragen. Bis ins Jahr 2011 lebte tatsächlich eine reale Eule in dem Stadion unter der Dachkonstruktion und stellte somit das Maskottchen dar. In einem Spiel gegen Deportivo Pereira landete die Eule auf dem Platz, wurde prompt vom Ball getroffen und blieb benommen liegen. Ein Gästespieler ohne Empathie beförderte die Eule anschließend per Tritt vom Platz. Trotz Tierklinikaufenthalt, verstarb die Eule wenige Tage später. Mit dieser Story endet dann auch das Kapitel Barranquilla, da wir nach dem Spiel umgehend den Weg ins Bett aufsuchten, da am nächsten Morgen schon wieder ein Flugzeug als Verkehrsmittel bestiegen wurde.

Nach nicht einmal 24 Stunden, standen wir also wieder am wirklich sehr überschaubaren Flughafen. Nächster Halt Bogotá. Hier hat man das Gefühl, dass man inzwischen jeden Ecken des Flughafens kennen würde, aber auch heute war der Aufenthalt nur von kurzer Dauer und nach etwas Wartezeit wurde der Flieger in Richtung Peru bestiegen. Paar Stunden später setzte der Stahladler uns in der Hauptstadt der Republik ab – Lima. Aufgrund mangelnder Orientierung und fehlerhafter Handynavi-Eintragung seitens meines Bruders, suchten wir weit länger als geplant nach der gebuchten Unterkunft, konnten diese aber schlussendlich doch noch finden. Und das Suchen hatte sich gelohnt. Ein großes Apartment weit oben im Hochhaus. Dazu oben auf dem Dach Aufenthaltsräume mit Billardtisch sowie draußen einem Pool. Top! Am Ankunftstag wurde dann nur noch etwas die Gegend rund um die Unterkunft erkundet sowie etwas Essbares zwischen die Kimmen geschoben.

Samstag 14.09.2019 Universidad San Martin – FBC Melgar 1:1

Am nächsten Morgen wurden wir sehr, sehr früh vom Wecker aus den Federn geschmissen, stand doch das Eintracht-Heimspiel gegen Koblenz an. Scheiß Zeitverschiebung, aber was soll´s. Trikot raus, kleine Eintracht-Fahne neben den großen Flachbildschirm gehangen und schon konnte die Übertragung von SVE-TV verfolgt werden. Schon ein ganz anderer Blickwinkel auf das Spiel der Moselkicker im Vergleich zum Live-Stadionerlebnis, aber besser als Nichts. Deshalb ein dickes Dankeschön an das SVE-TV-Team für diesen Service. Einzige Gemeinsamkeit, das Bier schmeckte. Zumindest mir, auch schon morgens kurz nach 6 Uhr. Das Team mit der Porta auf der Brust zeigte Kampfgeist und Willen und konnte gegen die Buben vom deutschen Eck mit 3:2 verdient gewinnen. Geiles Spiel, aber bitter dieses nicht live im Stadion miterlebt zu haben. Aber man kann nun mal nicht alles haben. Das Spiel hatte aber auch nicht alles, was dazu gehört. So waren nämlich wegen Kleinigkeiten beim vorherigen Aufeinandertreffen gegen etliche Personen der aktiven Koblenzer Fanszene Stadt- und damit zugleich auch Stadionverbote seitens der Polizei ausgesprochen worden. Um zumindest etwas Präsenz zu zeigen organisierten die Koblenzer eine Demo in Trier, an der aber aus meiner Sicht viel zu wenige Leute dran teilnahmen. Im Anschluss fanden sich die Personen ohne Verbot im Gästeblock ein, aber das optische Bild und die Stimmung war nicht die Gleiche wie ohne Verbote. Ob es in Südamerika solche Verbote gegeben hätte gegen einzelne Fans? (Generalverbote wie in Argentinien außen vorgelassen) Ich bezweifle es, hier schätzt man die Fankultur vielmehr und versucht seltener dieser Steine in den Weg zu legen.

Die Euphorie über die Mannschaftsleistung und den Sieg nahmen wir mit in den Tag und latschten erstmal in Richtung Strand. Auch hier das gleiche Bild wie in Kolumbien bzw. wie in ganz Südamerika. Viele sehr schöne und aufwendige Graffitis an fast jeder Straßenecke. Zwischendrin paar nett anzusehende Kirchen und Bauten aus Kolonialzeiten. Dazwischen etwas Gammel und Dreck, aber dennoch sehr schick auf seine ganz eigene Art und Weise.

Zur Mittagszeit hieß es dann Länderpunkt Peru einzutüten und so wurde per Taxi ein Vorort oder besser gesagt ein Ghetto angesteuert. Wegen Umbaumaßnahmen im Nationalstadion, wechselte der Verein Universidad San Martin hierhin, um seine Heimspiele auszutragen. Schon ein krasser Gegensatz. Auf der einen Seite ein riesiges modernes Nationalstadion mit Platz für über 43.000 Menschen und dann jetzt als Spielort ein runtergekommenes verranztes Stadion mit gerade mal Platz für weniger als die Hälfte. Aber tatsächlich spielt dies für die Spieltagsorganisation überhaupt keine Rolle, da das Universitätsteam kaum Fans hat und deswegen hat man sich inzwischen auch entschieden dauerhaft hier seine Heimspiele auszutragen. Grund für das mangelnde Faninteresse könnte sein, dass der Verein erst 2004 gegründet wurde. Das er nunmehr in der ersten Liga von Peru spielt, liegt daran, dass er mit Gründung direkt in dieser startete. Ein Start wie bei uns in der Kreisklasse und ein sportliches emporarbeiten ist in Peru so nicht vorgesehen. So konnte der Verein trotz sehr kurzem Bestehen schon drei nationale Meistertitel (2007, 2008, 2010) gewinnen. Ob man sich so einen sportlichen fairen Wettbewerb vorstellt sei mal dahingestellt.

Bevor es nun aber ins Stadion Alberto Gallardo gehen konnte, mussten wir unsere Ausweise in ein kleines vergittertes Fenster knapp einen Meter über dem Boden reichen. Schon ein sehr komischer Ticketschalter und unsere Reisepässe abzugeben an eine Person die man nichtmals sieht ist auch nicht gerade das Gelbe vom Ei. Aber klappte doch alles und für ein wenig Geld erhielten wir unsere Tickets. Im Stadion wurde dann direkt der Imbiss angesteuert, wo uns echt leckere Burger und zweigeteilte Bratwürste kredenzt wurden. Bier gab es hier leider nicht. Was es dafür gab war eine Vielzahl an Beamten in Uniform und Schutzschildern. Wie gesagt viele Fans gab es hier nicht und auch die Gäste waren nur mit vielleicht 40 Mann angereist. So durften sich die Uniformmännchen die Beine in den Bauch stehen und dem tollen Kick auf dem Rasen gespannt folgen. Dies taten neben den Beamten, den 40 Gästefans, den 100 Heimfans und uns auch ein Pärchen aus England, mit dem sich zumindest kurz ausgetauscht wurde. Ansonsten gab es zu diesem Spiel nicht viel zu berichten. Ein eher unspektakulärer Länderpunkt, aber es sollte am gleichen Tag ja noch ein weiteres Spiel stattfinden, dass mehr versprach.

Samstag 14.09.2019 Club Universitario de Deportes – Deportivo Binacional 2:0

So ging es also pünktlich mit Abpfiff zuerst raus aus dem Stadion und dann raus aus dem Ghetto, rein ins gerufene Uber, dass uns zum Abendspiel brachte. Am Stadion angekommen war noch nicht allzu viel los auf den umliegenden Straßen, was uns aber gerade recht war, mussten wir uns doch noch Eintrittskarten besorgen. Ich kann euch sagen, dass war vielleicht ein Zirkus. Die Tageskasse war geschlossen und sollte laut anwesenden Vereinsmitarbeitern heute auch nicht geöffnet werden. Ohne Ticket wollte man uns aber auch nicht rein lassen und verwies auf den Vorverkauf. Ok, dann kaufen wir uns halt Online ein Ticket und zeigen das per Handy vor. Ne, auch das geht nicht. Zutritt nur mit einem ausgedruckten Ticket. Was ein scheiß. Wenn schon elektronische Variante beim Ticketkauf und bitte auch richtig. Oder einfach ganz altmodisch ein schön bedrucktes Ticket an der Kasse gegen Bargeld aushändigen. Spricht doch nichts dagegen. Hier scheinbar schon, also als nächstes nach einem Internetcafé mit Drucker gesucht. Auch Fehlanzeige in Stadionnähe. Nächster Versuch, der Burgerladen um die Ecke. Dort war man sehr hilfsbereit und versuchte sich im Hinterzimmer am Firmencomputer mit dem Erwerb der Karten, was jedoch leider scheiterte. Auch als man uns an den PC ließ, wurde keine Lösung für das unbekannte Problem im Ticketshop gefunden. Für die Hilfsbereitschaft bedankt und weiter geht die Suche. Also nochmals zurück in Richtung Stadion und was sehen wir da? Ein Mann, ein Auto, ein Handy und ein Drucker im Kofferraum. Die Erlösung für uns, da dieser tüchtige Geschäftsmann für einen wirklich kleinen Aufpreis die begehrte Ware per Handy orderte und direkt an seinen Kofferraumdrucker weiterleitete. Grandiose Szene und wir waren heil froh endlich Tickets in den Händen zu halten. Ein normaler Verkauf am Stadion wäre auch zu einfach gewesen.

Nächstes Problem war der Einlass zum Stadion. Für Ärger sorgte hier ein zuvor für einen Freund und Schalsammler besorgter Vereinsschal. Nicht etwas das wir mit einem Schal des Gästeteams in den Heimbereich wollten oder umgekehrt. Nein, wir wollten einen Schal vom Club Universitario de Deportes, umgangssprachlich nur Big U genannt, zum Heimspiel von Big U mit auf die Haupttribüne von deren Stadion mitnehmen. Aber so erging es nicht nur uns, sondern auch vielen heimischen Fans. Alle Schals und auch alle Hosengürtel waren strikt verboten. Total sinnloses und bescheuertes Verbot. Die Einheimischen banden ihre Schals und Gürtel daraufhin an ein Geländer am Eingangsbereich, mein Bruder legte seinen Gürtel und den Schal einfach oben auf das Dach vom Eingangsbereich, um auf Nummer sicher zu gehen, dass keiner diese während des Spiels einfach abbindet und mitgehen lässt. Hoch oben waren diese definitiv sicher, da die Peruaner von sich aus eher kleine Menschen sind. Sicher ist sicher. Und was machte ich? Ich spazierte einfach mit meinem Gürtel durch die Sicherheitskontrollen. Nicht das ich nachher noch meine Hose verlieren würde. Als diese Hindernisse überwunden waren, standen wir nun endlich vorm eigentlichen Stadioneingang, ein paar Schritte weiter und wir machten große Augen. Was für ein krasser Stadionbau. Man betritt das Stadion ebenerdig und vor einem sind dann die Plätze in den Boden hineingebaut (Erdstadion). Alleine dieser Ring an Plätzen bietet Platz für knapp 60.000 Menschen, wobei sich davon ein großer Teil jeweils auf den riesigen Stehtribünen hinter den Toren in den Kurven befindet. Aber damit nicht genug, über unseren Köpfen befanden sich weitere Plätze und zwar in 1.251 Logen, die sich über mehrere Ebenen erstrecken, Platz für ca. 21.000 Leute bieten und sich einmal um das gesamte Stadion ziehen. Das Stadion Monumental “U” fasst somit fast 81.000 Zuschauer und ist damit zugleich das größte Stadion in Südamerika. Selten zuvor hatte ich ein so imposantes Stadion betreten und dabei war ich schon in echt vielen. Leider füllten sich die Ränge bis zum Anpfiff nicht wirklich sonderlich gut. Das lag diesmal aber nicht daran, dass auch dieses Uniteam erst vor kurzem gegründet wurde (Gründungsjahr 1924), sondern an anderen Faktoren.

Eine genaue Zuschauerzahl wurde nicht bekannt geben und schätzen möchte ich auch nicht, da man auf die Balkone der Logen, die von der Ausstattung und Preis jedoch nicht mit denen in Deutschland vergleichbar sind, keinen Einblick hat, wenn man sich im unteren Stadionring befindet. Trotz mäßiger Zuschauerzahlen, fand sich sowohl auf einer Hintertortribüne als auch auf der Gegengerade jeweils ein Stimmungspulk an Peruanern ein, die zumindest akustisch die folgenden 90 Minuten begleiten sollten. Optisch war ja leider alles verboten. Anhand von Video und anderen in Textform festgehaltenen Berichten, ist aber auch bekannt, dass das in Peru anders aussehen kann. Heißt viel mehr Zuschauer, Bänder und Zaunfahnen, Stimmung mit Instrumenten usw. halt typisch südamerikanisch, wie im Kolumbienteil zuvor berichtet. Gäste waren keine im Stadion auszumachen, kann aber auch gut sein, dass auch diese verboten waren. All solche Verbote verhindern die freie Entfaltung der Fankultur im Namen von mehr Sicherheit, die aus meiner Sicht damit aber niemals erreicht wird.

Das Spiel blieb nicht wirklich in Erinnerung, da Big U das Spiel klar beherrschte und gemütlich ihren Schuh herunterspielten. Im Ergebnis reichte dies dann für einen ungefährdeten 2:0 Heimsieg. Die zwei Tore verdeutlichten aber nochmals was auch in Peru stimmungsmäßig möglich ist, waren die beiden Torjubel doch unglaublich laut. Da flippte wirklich jeder im Stadion aus. Ein weiteres Highlight waren die vielfältigen Graffitis im gesamten Stadion. Egal ob Außenmauer, Innenmauer, Treppenaufgang oder Toilette. Alles war in Vereinsfarben von den Fans gestaltet. Mal mit einer alten Meistermannschaft. Universitario de Deportes ist mit 26 nationalen Meistertiteln übrigens das Äquivalent zum FC Bayern in Deutschland. Oder halt einfach Vereinsnamen, Gruppennamen oder das Gründungsdatum. Diese Straßen/Stadionkunst trug also nochmal mehr dazu bei, dass dieser Stadionbesuch lange in Erinnerung bleiben wird.

Im Gegensatz zum Abendprogramm. Das gestaltete sich zwar auch ganz nett, indem wir einen Rockclub aufsuchten in dem live performt wurde, aber da man weder Band noch anwesende Gäste verstand, blieb es doch eher bei einem kurzen Aufenthalt und ein paar wenigen Bieren. Für einen Absacker auf der hauseigenen Dachterrasse reichte es aber noch, obwohl der Tag echt lang war.

Neuer Tag und ausnahmsweise Mal kein Fußball. Vielmehr widmete man sich in den kommenden Tagen den Sehenswürdigkeiten der Stadt und der hiesigen Kultur. Auch das gehört zum Reisen dazu, den Fußball ist nicht alles. So wurde beispielsweise Inca Kola probiert. Einer der wenigen Softdrinks, der in einem Land einen größeren Marktanteil als die weltberühmte Coca-Cola hat. Aber was im Kapitalismus nicht sein darf, wird mit Geld schon geregelt und so besitzt der Coca-Cola-Konzern inzwischen 49% der Firmenanteile an Inca Kola und verdient halt so mit. Aber warum Leute so etwas trinken erschließt sich mir nicht. Coca-Cola ist schon süß, aber Inca Kola ist geschmacklich nur flüssiger Zucker mit einem Spritzer Zitrone. Ekelhaft. Nach diesem Reinfall wurde etwas durch die Stadt geschlendert ohne irgendein bestimmtes Ziel vor Augen. Ihrem Beinamen „Stadt im Nebel“ machte Lima währenddessen alle Ehre. Aufgrund verschiedenster Klimabedingungen, wird die gesamte riesige Stadt in den Monaten Mai bis Oktober fast täglich in recht dichten Nebel gehüllt. So waren die Stadtrundgänge aber besser zu ertragen als in Kolumbien, da auch die Temperaturen nicht ganz so hoch waren durch den Nebel. Nette Plätze um am heutigen Tag unsere Zeit in Lima zu verbringen und ein paar Bier zu genießen, waren der alte Leuchtturm oben auf den Klippen sowie der Pier unten am Meer, wenngleich die Strände nicht zum Schwimmen einladen. Zum einen zu kalt, zum anderen leider total verschmutzt. Schade drum.

Abends dann der nächste kulinarische Versuch – Cuy. Das ist nichts anderes als Meerschweinchen und wird hier oft als ganzes Tier vom Grill serviert. Ganz nach dem Motto „In Deutschland euer Haustier – hier mein Abendessen“. Sah auf dem Teller schon seltsam aus, schmeckte aber vorzüglich. Dazu wurden Pommes, Kartoffelchips sowie Maisfladen serviert. Typisch für Peru, richtig schön deftig und kalorienreich. War gerade früher wichtig für die Leute die körperlich extrem schwer arbeiten mussten und hat bis heute im Land Bestand. Dies trägt bei den heutigen Peruanern die im Büro arbeiten nicht gerade zum optimalen Bodymaßindex bei. Aber da darf ich ja nichts zu sagen. Um meinem Bierbauch und meiner Heimat gerecht zu werden, wurde das Festmahl sodann mit Bier heruntergespült. Fazit, klasse Abendessen.

Am nächsten Tag wurde dann endlich nochmal ausgeschlafen ehe es erneut auf Stadterkundung ging. Diesmal kamen wir an den alten Ruinen namens „Huaca Pucllana“ vorbei, die mitten in einem Wohnviertel stehen. Dabei handelt es sich um die Überreste einer ehemaligen Lehmpyramide. Die heute noch daliegenden Steine sahen durch den Zaun aber schon so unspektakulär aus, dass sich der Eintritt direkt gespart wurde. Von hieraus zog es uns dann auf den zentralen Platz von Lima, den Plaza de Armas, besser bekannt als Plaza Mayor de Lima. Hier befinden sich seit der Stadtgründung 1535 viele der wichtigsten Gebäude der Stadt. So unter anderem die bekannte Kathedrale, der Palast des Erzbischofs, der Regierungspalast, der Palast der Einheit sowie das Rathaus von Lima. Hier wo einst die Unabhängigkeit von Peru ausgerufen wurde, kann man echt paar gemütliche Stunden verbringen. Gerade auch, weil die umliegenden Straßen nur für Fußgänger zugelassen sind und Autos, Motorroller sowie Fahrräder verboten sind. Nach einiger Zeit verschlug es uns dann aber in eine nahegelegene Bar, die wohl schon viel miterlebt haben muss, wenn man sich die Wände so anschaute. Dort reihten sich Bilder prominenter Politiker aus allen möglichen Ländern, die bei Ihren Regierungsbesuchen hier wohl eingekehrt waren. Ob diese das Bier sowie den einheimischen Schnaps (Weinbrand) der auf den tollen Namen Pisco getauft wurde ebenfalls in Ruhe genießen konnten, ist nicht überliefert.

Den Abend verbrachten wir dann nach dem Abendessen wieder auf der Dachterrasse beim Billiarde spielen. Als Ergebnis konnte man festhalten: zum Glück hat keiner zugeschaut. Dies konnten höchstens die Wachleute unten in der Lobby über die Kameras. Und wenn, hatten diese viel zu Lachen.

Kirche und Staat, Kirche und Fußball. Beides sollte und ist zum Glück in weiten Teilen der Welt getrennt und steht in keinem Zusammenhang. Bekannt sind in Europa zumeist nur noch die Feindschaften verschiedener Clubs, die auf unterschiedliche Zugehörigkeiten der Anhänger bei der Religion zurückzuführen sind. Beispielsweise Celtic und Rangers in Schottland oder Clubs in (Nord-)Irland. Was passiert, wenn in der heutigen Zeit und in den Breitengraden von Südamerika Fußball und Religion aufeinandertreffen, sieht man am Stadion des zweiten bekannten Hauptstadtclubs Limas – Alianza Lima. Dessen Stadion Alejandro Villanueva hatte im Jahr 2016 die ultrakonservative Evangelikalengruppe “Aposento Alto” (Hohes Gemach) besetzt. Im Rahmen der Besetzung wurden die typischen Graffitis der Fußballanhänger auf dem Stadiongelände allesamt weiß übermalt. Der Anführer dieser Sekte, der schwerreiche, homophobe und frauenfeindliche Pastor Alberto Santana, begründet die Besetzung damit, dass dies der Wille Gottes sei. Er sei beauftragt von Gott in diesem Stadion Kriminelle und Verwirrte zu heilen. Einige Mitglieder der örtlichen Barra, aus seiner Sicht wohl Verwirrte und Kriminelle, folgten dem Aufruf umgehend und fanden sich in Ihrem Zuhause, in Ihrem Stadion ein. Doch Sie waren nicht gekommen um sich bekehren zu lassen, sondern um die Eindringlinge und Wirrköpfe wieder vor das Stadiontor zu befördern. Teils musste dies mit körperlicher Gewalt erfolgen, teils wurde Sie dabei auch von der Polizei unterstützt. Die Mauern des Stadions wurden im Nachgang an den Rauswurf aus Matute (Name des Stadtteils und Spitzname des Stadions) wieder mit neuen Graffitis von der Barra gestaltet.

Aufgrund dieser Story wurde der letzte Tag in Peru genutzt, um eben diesem Stadtteil und dem Stadion einen Besuch abzustatten. Das Viertel selbst gehört zu denen der übleren und ärmeren Sorte und bietet außerhalb vom Thema Fußball keinen Grund für einen Besuch. Das Stadiongelände überzeugt dann jedoch auf voller Länge, gerade auch durch die vielen (neuen) Graffitis. Nicht nur irgendwelche hässlichen Schmierereien, sondern tatsächlich Kunstwerke, die den Verein, seine Erfolge, verdiente Spieler, langjährige Fangruppen würdigen und in Szene setzen. Neben dem Stadion und der Straßenkunst, gab es aber auch Fußball zu sehen. Auf dem Gelände befindet sich neben dem eigentlichen Stadion auch ein Kleinfeld, auf dem eine der Jugendmannschaften ein Spiel austrug. Nur fürs Groundhopping-Protokoll für diejenigen, die sich fürs Zählen von Grounds interessieren – das Ding zählt natürlich nicht.

Nach dem Tagesausflug zu Alianza und deren „Verbindung“ zur Kirche ging es bei Zeiten ohne Nachtgebet zu Bett, um wenige Stunden später gnadenlos vom Wecker aus dem Bett geschmissen zu werden. Aber wir wollen es ja nicht anders. Viel Reisen, viel sehen, viel trinken/feiern, viel Fußball, wenig Schlaf. Doch selbst fürs schlafen sollte bald genug Zeit sein, stand uns am heutigen Tag doch die Weiterreise von Lima nach Quito (Ecuador) bevor. Gewähltes Reisemittel: Bus. Geplante Fahrtzeit: 33 Stunden. Ok, ich höre die ersten Stimmen die schreien: „Ihr habt Sie doch nicht mehr alle“. Aber was soll ich sagen? Haben wir zum Wohle der Umwelt getan? Wohl wenig glaubhaft bei unserem ökologischen Fußabdruck. Wegen dem lieben Geld? Auch das, ist dies doch ein preisgünstiges Fortbewegungsmittel. Aber hauptsächlich einfach um eine neue Erfahrung machen zu können. Nachdem man im letzten Jahr 18 Stunden von Pforzheim mit dem Reisebus nach Sarajevo gefahren ist, wollte ich noch einen draufsetzen und die Busse in Südamerika auch mal testen. Im Vergleich zur Sarajevotour, durfte man diesmal einen Doppeldecker besteigen, der mit großen, bequemen Sitzen punkten konnte, die sich recht weit nach hinten klappen lassen als Schlafplatz. Dazu Multimediabildschirme in den Sitzen und ein Steward an Board, der Frühstück, Mittag- und Abendessen serviert. Alles vergleichbar mit einem Langstreckenflug. Ebenfalls vergleichbar sind demnach auch die Kontrollen am Busterminal. Ganzkörper- und Gepäckscanner, Drogenspürhund, Sicherheitspersonal und jeder Schritt wird auf Kamera festgehalten. Handgepäck wird aber glücklicherweise nicht ganz so genau kontrolliert, sodass auch einige Döschen an Hopfenkaltgetränken mit reingeschmuggelt werden konnten. Selbstmitgebrachter Alkohol ist an Board nämlich eigentlich verboten. Auch das kennt man aus dem Flugzeug. Großer Unterschied zum Flugzeug ist dann jedoch der Blick aus dem Fenster. Sieht man im Flieger oft nur Wolken oder das riesige Meer, ist dies bei so einer langen Busfahrt anders. Klar, die ersten zwei Stunden durch das Maloch Lima, versprachen keinen grandiosen Ausblick. Abhilfe schaffte dann die Strecke entlang der N1. Dort verläuft die Straße Kilometerweit direkt an der Küste des Südpazifiks entlang oder macht einen kurzen Schlenker durch große Dünnen. Entspannung pur für die Füße, die uns jetzt über zwei Wochen schon durch Südamerika trugen. Der eigentliche Plan im Bus die weitere Reise übers Handy zu planen fiel ins Wasser, da das Wifi nicht funktionierte, aber man wusste sich auch so zu beschäftigen. Englischsprachige Filme gucken, Fanzines lesen, Essen, mit anderen Fahrgästen sprechen, Bier trinken, nochmal Essen, Hoppingzine lesen, Mitternachtsschnack. Die Zeit verging schon. Einzig als Trier im Pokal gegen Ralingen antrat und letztlich 3:0 gewann, vermisste man das Wifi etwas für die Übertragung und konnte so nur gelegentlich im Liveticker nachlesen, was jedes Mal beim Öffnen etwas kostete. Aber auch dieses Kleingeld investiert man, um auf dem Laufenden zu bleiben, wenn es um die Eintracht geht. Eintracht ist alles, auch Kosten. Der nächtliche Grenzübertritt verlief dann unspektakulär und kostete nichts. Kurz aussteigen, Ausreisestempel an dem einen Schalter abholen, paar Meter weitergehen, Einreise abstempeln lassen und wieder rein in den Bus. Weiter ging die Fahrt und nach letztlich gut 36 Stunden kamen wir am Ziel in Quito an. Fazit? Mit so einem Bus würde ich mal gerne auswärts in der 3. Liga nach Rostock oder Lübeck fahren. Lässt sich definitiv sehr gut aushalten. Des Weiteren bestätigte die Fahrt mal wieder, wie hilfsbereit und nett die Leute auf der Welt sind, gerade im Vergleich zu vielen Personen hier in Deutschland. Ein Beispiel gefällig? Nachts hielt der Bus irgendwo im nirgendwo von Ecuador an einem Truckerstop für eine Pause und den Fahrerwechsel. Für uns Businsassen also Zeit etwas die Beine zu vertreten und etwas Lokales zu essen, sowie was Kaltes zu trinken. Problem von uns zwei Deutschen war jedoch, dass wir noch kein Geld gewechselt hatten und Kartenzahlung hier nicht möglich war. Naja, wir hatten ja noch einiges an Proviant im Bus liegen. Das kam für drei weitere Businsassen aus dem Oman aber gar nicht in Frage. Sofort bot man uns an, für uns etwas Ess- und Trinkbares vor Ort zu kaufen, was wir aber erstmal dankend ablehnten. Doch man bestand vehement darauf, sodass wir uns letztlich doch zumindest etwas zu trinken spendieren ließen. شكرا (Danke dafür).

Die Fahrt in den Knochen standen wir nun mitten in der Nacht vorm Busbahnhof von Quito und man musste sich erstmal orientieren und umschauen wie man zur gebuchten Unterkunft kommt. Taxis Fehlanzeige und so stapfte man zu Fuß los durch die Nacht. Das Viertel nicht gerade einladend, aber entlang der Hauptstraßen ging es. An der Unterkunft angekommen erstmal ein Bier geholt und ab aufs gebuchte Zimmer. Katastrophe, ich sag es euch. So eine Drecksbude hatte ich zuvor noch nicht gesehen. Die Fensterscheiben gebrochen, Millionen Mücken im Zimmer, offene Stromkabel in der Dusche, die Matratzen dreckiger als welche von einer Müllhalde. So stand schnell fest, dass wir hier nicht bleiben würden. Das erste Mal auf all unseren Reisen, dass wir eine Unterkunft wegen des Zustandes nicht nutzten. Einziger Pluspunkt für die Bude, ohne Diskussionen gab es direkt das Geld zurück vom Angestellten der offensichtlich unter Drogeneinfluss stand. Nun war guter Rat teuer (oder auch nicht), aber dank Smartphone konnte in derselben Straße ein Hostel gefunden werden, die bei Vorsprache um 2 Uhr nachts auch noch ein Zimmer für uns hatten. Das Hostel stellte sich in den nächsten Tagen als absoluter Topladen heraus. Nette Leute, gutes Essen und vor allem sauber. Alle Daumen hoch fürs „Hostal L’Auberge Inn“ und dem „Hostel Rock & Quito“ wünschen wir die Schließung.

Nach ein paar Stunden Schlaf konnte unser Aufenthalt in der Hauptstadt von Ecuador also nur noch besser werden. Da es mit 2.850 Meter über dem Meeresspiegel die höchstgelegene Hauptstadt der Welt ist, hieß es Höhenmeter machen, um die Stadt zu erkunden. Zuerst hoch in einen Park über der Stadt, dann wieder runter in die gut erhaltene Altstadt. Für die Besichtigung der Basilika San Francisco dann wieder ein Stück hoch und für etwas in einem einheimischen Restaurant mit Kantinencharakter zu essen wieder Berg runter. Da kommt man gut ins Schwitzen, gerade weil es auch hier unglaublich heiß und schwül ist. Aber auch alle anderen Parks, Kirchen und sonstige Bauwerke der Historie wollten besucht werden und so ging es immer weiter. Hoch, runter, hoch, wieder runter, bis man abends wieder komplett platt im Hostel ankam. Zwischendrin auch in Quito immer wieder wunderschöne Graffitis, wo Künstler Ihren Ideen freien Lauf ließen. Hier wird Graffiti und auch Aufkleber noch als Straßenkunst und damit Kunst angesehen und nicht wie bei uns als Ärgernis und Sachbeschädigung. Dabei achten die Künstler aber auch auf den Standort Ihrer Kunst, sodass z.B. keine Straßenverkehrsschilder, Kirchen oder sowas in der Art in Mitleidenschaft gezogen werden. Würde ich mir für Deutschland bzw. Trier in dieser Form so auch wünschen, da so die Stadt viel lebendiger wirkt und Streifzüge durch die Gassen immer wieder zu kleinen Entdeckungstouren werden.

Pflichtpunkt wenn man in Ecuador ist? Klar einmal auf dem Äquator spazieren gehen. Dazu kann man vor Ort teure Tagestouren buchen, oder man steigt einfach in einen der Stadtbusse und fährt damit nach San Antonio de Pichincha und das für weniger als 2 €. Dort steht nämlich das Äquatormonument „La Mitad del Mundo“ das den Ort markiert, an dem Charles Marie de La Condamine bei einer französischen Expedition 1736 die Position des Äquators bestimmte. Eingezeichnet ist der Äquator in der riesigen Parkanlage rund um das Monument mit einer gelben Linie, auf der sämtliche Touris Ihre Bilder machen. Dumm nur, wenn später die Wissenschaft kommt und per GPS ermittelt, dass die Linie die die Nord- von der Südhälfte trennt in Wirklichkeit 240 Meter weiter nördlich verläuft. Dort gibt es inzwischen auch einen Park. Allerdings viel, viel kleiner und dort trifft man kaum Besucher. Was beide Parks verbindet, sind die „wissenschaftlichen“ Experimente die man vor Ort machen kann. Aber auch dort macht die echte Wissenschaft den Parks einen Strich durch die Rechnung, stellen sich doch alle Experimente als Schwindel heraus, wenn man sich damit etwas genauer beschäftigt. Und trotzdem kann man in beiden Anlagen eine gute Zeit verbringen.

Eine gute Zeit verbrachten wir auch am folgenden Tag, nämlich hoch oben in den Bergen. Am frühen Mittag ging es zur Seilbahn TelefériQo. Schon auf der Talstation bei 3.050 Höhenmetern merkte man den Unterschied zwischen allen Anderen und uns. Alle waren bewaffnet mit Wanderstiefeln, Gehstöcken, Rücksäcken und Proviant. Wir lediglich mit Turnschuhen und Dosenbier. Für alle gleich war aber die Fahrt hoch zur Bergflanke auf 3.950 Meter. Schon von hier hat man einen überragenden Blick über das gesamte Ausmaß der Stadt Quito. Zudem steht hier eine kleine Kirche und es laufen Lamas herum, wenngleich diese nur als Touristenattraktion für Bilder dort rumstehen und angeleint sind. Die nächsten Höhenmeter sollten aber auch noch erklommen werden. Diese legten wir etwas schneller zurück als die anderen Insassen der Gondel, trotz oder gerade wegen des anderen Schuhwerks. Auf 4.100 Meter Höhe erwartete uns dann eine große Holzschaukel. Trotz aller Anstrengungen, ist dort ein Überschlag nicht möglich. Machte aber trotzdem Laune, wie zu besten Kindheitstagen. Laune bereitete auch das gute Wetter – strahlender Sonnenschein, aber parallel dazu kühler Wind. Bis auf die Aussichtsplattform bei ca. 4.150 Meter schafften wir es schlussendlich auch noch, bevor die wirklichen Wanderer und Bergsteiger an uns vorbeizogen um den Gipfel und damit die 4.794 Metermarke zu erklimmen. Wir genossen hier oben noch etwas die frische Luft, den Ausblick und die Ruhe, ehe es uns zurück in die Stadt verschlug. Da wir aber auch keine Lust mehr auf viel Stadttrubel hatten, machten wir uns auf in den gigantischen Stadtpark. Dieser dient den Stadtbewohnern zeitgleich als Ruheort und Sportmöglichkeit. Fußballplätze mit Kleinfeldern, Laufstrecken, Footballwiese, Outdoor-Fitnessstudio, Platz für Skater und Fahrradfahrer und zwischendrin steht halt einfach ein ausrangiertes Flugzeug. Toller Ort und gerade die Amateurboxkämpfe wussten zu gefallen. Keinen Gefallen taten wir uns mit einem Besuch im Botanischen Garten, der ebenfalls im Park liegt. Der war selbst den Eintritt von 2,50 € nicht wert. Abends gab es dann wieder ein üppiges Abendmahl und reichlich Bier im Ausgehviertel der Stadt. Bei dieser Gelegenheit durfte man auch eine recht skurrile Bekanntschaft mit einer einheimischen Dame mit einem Handschuh machen, aber lassen wir das.

Sonntag 22.09.2019 LDU Quito – Mushuc Runa SC 4:0

LDU steht für Liga Deportiva Universitaria. Also auch wieder ein Universitätsteam und deshalb wieder ein großen U im Wappen, wie auch zuvor in Peru. Wieder einmal ist es Studenten zu verdanken, dass ein großer und inzwischen einer der erfolgreichsten Vereine des Landes im Jahre 1930 gegründet wurde. Fußball ein Sport der Proleten – mitnichten. Auch in Deutschland nicht, wo der aus England stammende Sport namens Fußball im Jahre 1874 von einem Braunschweiger Gymnasiallehrer eingeführt wurde und im Folgenden seine ganz eigene Erfolgsgeschichte schrieb. Aber zurück zum Erfolg vom LDU Quito, wo ganz oben der Gewinn der Copa Libertadores im Jahre 2008 steht, was zuvor noch kein anderes Team aus Ecuador geschafft hatte. Durch diesen Gewinn qualifizierte man sich für die Klub-WM in Japan und belegte dort den zweiten Platz. Preisgeld 4 Millionen US-Dollar. Bei einem Gesamtetat von etwas über 6 Millionen Dollar schon eine Hausnummer. Und in Europa reicht das Stellenweise nicht mal für das Monatsgehalt eines einzelnen Spielers. Business statt Sport, traurig irgendwie. Vom Verein und dem lieben Geld zum Stadion. Gespielt wird in einer echt coolen Bude, die auf den Namen La Casa Blanca hört. Diese bietet durch seine zwei Hintertorstehtribünen Platz für über 55.000 Zuschauer. Gebraucht wurde der Platz an diesem Sonntag jedoch nicht, da wesentlich weniger Interessierte kamen. Das lag unter anderem an dem uninteressanten Gegner und der Tabellensituation, spielte für uns aber keine Rolle. Länderpunkt Ecuador zählt auch so.

Stimmungstechnisch fand sich hinter einem der Tore eine kleine kompakte Heimfanszene ein, die den überstehenden Oberrang zu nutzen wusste. Zaunfahnen und Bänder wurden dort befestigt und pünktlich mit dem Anpfiff startete man auch mit dem Support, der durch das Dach verstärkt wurde. Für die Anzahl und das Spiel war das schon ok, jedoch kein Vergleich zu z.B. Kolumbien oder Argentinien, denen man fantechnisch wohl nacheifert, wie einst wir Deutschen den italienischen Kurven nacheiferten. Was uns neben den Fans und dem Stadion auch noch zusagte, war die Stadionverpflegung. Gab es vor dem Stadion tatsächlich nur gekochte Schweinsköpfe, wurden hier im Stadion richtig gute spicy Chicken-Wings mit gutem Dip serviert. Damit das Ganze nicht zu sehr brannte, wurde gekühltes Bier gereicht. Im 1 Liter Becher – sauwer Sach! Trotz der großen Becher und damit reichlich Alkohol der hier allgemein im Stadion verzerrt wird, denkt hier keiner dran, nur noch Light oder gar alkoholfreies Bier auszuschenken. Warum auch? Es gibt keinen wirklichen Zusammenhang zwischen Konsum von Stadionbier und Gewalt, auch wenn man das in Deutschland gerne von der Politik so hinstellt. Einen Zusammenhang von generellem Alkoholkonsum und einer gesteigerten Bereitschaft zur Gewalt gibt es gleichwohl. Dies ist aber kein Grund für Verbote von Bier im Stadion, weil die betroffenen Personen dann einfach vor dem Spiel trinken. Oft sogar noch wesentlich mehr als ohne Verbot. In Ecuador durften wir also genüsslich mehrere Stadionbiere konsumieren, ohne dass es dadurch direkt zu Krawallen kam. Diese wären sowieso von der anwesenden Polizei (nicht von der Ausschankkraft) dann zu verhindern gewesen. Beim heutigen Spiel wären in dieser Richtig aber alle Versuche im Keim erstickt worden. Viel zu groß war das heutige Polizeiaufgebot. Mehrere Pferdestaffeln, etliche Hundeführer, Panzerwagen und überall Staatsdiener, teilweise mit Gewehren bewaffnet. Wofür das Ganze fragt sich da einer. Gästefans waren keine anwesend, Anhänger des Heimteams auch nicht wirklich viele und für riesige Riots ist Ecuador beim Fußball auch nicht gerade bekannt. Viel eher wurde man den Eindruck nicht los, dass dies alles nur einen Zweck hatte – Machtdemonstration. Im Land kam es in den vergangenen Wochen zu einigen Demonstrationen gegen die aktuelle Regierung. Vor allem wegen der Armut und den sozialen Ungleichheiten. Auslöser war die Streichung von Diesel- und Benzinsubventionen, wodurch die Bevölkerung mit höheren Preisen konfrontiert wurden, die die Armut weiter vorantrieb. Auch die indigenen Völker des Landes beteiligten sich, da diese besonders hart betroffen sind. Diesel ist für diese überlebensnotwendig, da er für die Landwirtschaft gebraucht wird, mit der diese Völker ihr Leben sichern.

Nach unserer Abreise spitzte sich das Ganze so dermaßen zu, dass es zu Massenprotesten kam die in einem Generalstreik endeten. Dabei kam es immer wieder zu Zusammenstößen der Demonstranten und den Regierungstruppen in Form von Polizei und Militär. Der Staatspräsident musste zwischenzeitlich sogar seinen Regierungssitz von der Hauptstadt Quito in die Hafenstadt Guayaquil verlegen. Ich persönlich wage also zu bezweifeln, dass all diese Polizisten zur Sicherheit der Stadionbesucher vor Ort waren.

In einem weit, weit geringeren Ausmaß finden wir solche Zustände auch in Deutschland wieder. Soziale Unruhen sind hier natürlich nicht zu befürchten. Dennoch nutzen einige Innenminister der Bundesländer die Bühne Fußball gerne, um Ihre Macht und Führungsstärke zu demonstrieren. Darunter müssen einige Fans leider immer wieder leide. Mit überzogenen Polizeieinsätzen sehen sich gerade Auswärtsfans öfters mal konfrontiert und im schlimmsten Fall folgen gar Strafen, die so weder in Ordnung noch Rechtens sind und bei Nicht-Fußballfans und selben Vorwurf so nicht gefallen wären. Versteht mich nicht falsch, ich fordere keinen Freifahrtschein für Fußballfans, aber einen gerechten Umgang, wie Ihn jeder in einem Rechtstaat einfordern darf und sollte. Das dies halt nicht immer so der Fall ist bei Fußballfans belegen unzählige Beispiele. Eins, was noch nicht so lange her ist, spielte sich in Trier ab und schaffte es sogar bis zur ARD und damit ins Fernsehen. Ein junger Fan, dem man von Staatsseite unterstellte, an einer körperlichen Auseinandersetzung beteiligt gewesen zu sein, durfte nicht zur WM nach Russland reisen, weil die Polizei Daten, die nachweislich falsch waren, an die russischen Behörden weitergeleitet hatte. Zunächst wurden von Seiten der Polizei Ermittlungen zu der Schlägerei aufgenommen. In diesem Rahmen wurde ein Video gesichtet und ein Beamter war der Auffassung, eben genau diesen Fan auf dem Video erkannt zu haben, als dieser im Nachgang weglief. Nach kurzer Zeit stellte sich dann heraus, dass es eben dieser Fan nicht gewesen sein kann, da er zum einen durch eine dauerhafte Beinverletzung gar nicht in einem solchen Tempo laufen kann und zum anderen zum Tatzeitpunkt an einem ganz anderen Ort war. Die Einstellung des Verfahrens war demnach nur folgerichtig. Und dennoch wurden seine Daten als Gewalttäter Sport an Russland weitergegeben, was ein Entzug des bereits vorhandenen Visums nach sich zog und damit zu einem Ausreiseverbot zur WM führte. Um zumindest einen finanziellen Ausgleich für den verfallenen Flug sowie die gebuchten Hotels zu erhalten, wird noch heute vor Gericht gestritten. Ein Innenminister verkündete im Rahmen der Datenweitergabe zuvor noch großkotzig, dass man nur die Daten der schlimmsten und härtesten Hooligans Deutschlands weitergegeben hätte, um die Sicherheit der WM zu garantieren. Zum Kotzen sowas!

Unsere Sicherheit hier in Quito und speziell im Stadion war aber zu keinem Zeitpunkt in Gefahr und so konnte selbst nach Abpfiff noch der Heimbereich der Hinchas aufgesucht werden, um dort die angebrachten Graffitis zu bestaunen und abzulichten. Während der 90 Minuten Fußball, gab es dazu im Vergleich kaum etwas zu bestaunen. Fast die gesamte erste Hälfte zog sich wie Kaugummi, bis Rodrigo Aguirre in der 37. Minute das 1:0 für die Hausherren erzielte. Eben dieser Rodrigo Aguirre war es später auch, der die Tore 2, 3 und 4 erzielte und damit zumindest in der zweiten Halbzeit für Unterhaltung sorgte. Im zweiten Durchlauf ließ LDU den Gästen aber auch keine Chance und so war der mühelose 4:0 Sieg ebenso wenig in Gefahr wie wir. Im Anschluss an das Spiel ging es dann zügig zurück ins Hotel, da am nächsten Morgen der Rückweg nach Kolumbien anstand.

Wecker genervt ausdrücken, Rucksack packen, duschen und wieder mal ab zum Flughafen. Wiedermal hieß das Ziel Bogotá. Wiedermal war es nur der Umstieg, denn die letzte Woche des Urlaubs sollte am Karibikstrand verbracht werden, um dort auch den 30. von meinem Bruder zu feiern. So ganz ohne Fußball. Einfach nur noch chillen und das Leben genießen. Als perfekter Ort für dieses Vorhaben wurde das „Los Hermanos Beach Hostal“ in… ja in mitten vom nirgendwo am Strand auserkoren und vorweg – 5 von 5 Sternen. Top Laden. So wurde sich in den nächsten Tagen am traumhaften Strand gesonnt, sich im kühlen klaren Wasser erfrischt, Bier und Cocktails getrunken, gut gegessen und weiter Fanzines gelesen. Hatte tatsächlich was von Urlaub, wie Ihn auch „normale“ Menschen machen.

Nach zwei Tagen juckte es aber in den Fingern und wenn schon kein Fußball möglich ist, sollte zumindest wieder etwas anderes unternommen werden. Ziel war der benachbarte Tayrona-Nationalpark. Mit Rollertaxis und Bus wurde dieser angesteuert, ehe der weitere beschwerliche Weg per pedes zurückgelegt wurde. Bei unerträglicher Hitze schleppte ich meinen „gut geformten“ Körper über Stock und Stein die Strecke bis zum ersten Strand. Die dortige Badepause war gerade für mich mehr als notwendig. Beim Tauchen konnten dann die Fische beneidet werden, wie leicht diese sich doch von A nach B bewegen. Als es dann später weiterging, konnten verschiedene Arten von Vögeln und Affen beobachtet werden. Auch diese legen Strecken ohne große Mühe zurück. Nur ich (und paar andere Touristen) mussten hier leiden, was bei meinem Bruder für ein breites Grinsen im Gesicht sorgte. Was allerdings nicht in Frage kam, war die Cheatervariante, bei der man die gesamte Strecke per Pferd und Guide zurücklegt. Am Ende meines persönlichen Leidesweges, wurde das Durchhalten dann aber mit einem geilen, wenn auch vollen Strand belohnt und sich erneut im Meer abgekühlt. Markantes Markenzeichen des Strandes ist die Aussichtplattform auf einem ins Meer ragenden Felsen. Dort kann man sogar in Hängematten übernachten, was jedoch aufgrund der unzähligen Mücken keine so gute Idee ist, wie vor Reiseantritt ein anderer Trierer zu erzählen wusste, der dort schon mal übernachtete. Ansonsten gab es auf der gesamten Tour keine Probleme mit Mücken oder Moskitos. Ob das am hohen Alkoholkonsum lag? Wer weiß. Zur Belohnung für die zurückgelegte Strecke wurde eben dieser in Form eines kühlen Bieres zu sich genommen, ehe es noch etwas zu Essen im am Strand gelegenen Restaurant gab. Der Rückweg von ca. 10 Kilometern war dann wie zu erwarten die Hölle, aber auch diese wurde wieder verlassen, als man es zurück in den Himmel auf Erden, unser Hostel geschafft hatte. Dort wartete dann nämlich wieder das Gleiche wie jeden Abend. Bilderbuch Sonnenuntergang, Abkühlung im Meer, kühle Getränke, gutes Essen und eine Runde Kartenspiel. Fehlte nur der Fußball, fehlte nur Eintracht Trier.

Ein wirkliches Zeitgefühl oder eine Ahnung welcher Tag eigentlich war, hatten wir beiden zu dem Zeitpunkt nicht mehr. Einziger Anhaltspunkt: Spiele des Sportvereins aus Trier von 1905. Unser Auswärtsspiel in Mechtersheim stand an und damit war dann klar, dass es wieder Samstag sein musste. Anpfiff 15:30 in Deutschland zur ehemaligen einheitlichen Bundesligazeit. In Südamerika am Karibikstrand also in den Morgenstunden. Hieß nach dem Frühstück ab in den Pool und dort das Handy in Position zu bringen, den das WLAN-Signal reichte nur bis dorthin und nicht bis zum Strand. Gibt aber wohl schlimmere Sorgen als diese. Mit Blick auf das Meer, die Palmen und das Handy konnte die Übertragung von SVE-TV beginnen, während man selbst ein Bier im Pool genoss. Klingt alles traumhaft. Und dennoch wäre ich zu diesem Zeitpunkt lieber in Mechtersheim auf dem Sportplatz gewesen, wo ich vor etlichen Jahren mein allererstes Auswärtsspiel gesehen hatte. Naja, man kann nicht alles haben und hier im Paradies war zumindest die bittere 2:1 Niederlage schneller vergessen.

Am folgenden Tag stand der nächste Ausflug an. Diesmal sollte es in die Bergen der Sierra Nevada (höchstes Küstengebirge der Welt) gehen. Teilweise wurden Gebiete der Sierra Nevada bis ins Jahr 2016 hinein noch von der FARC, den linken bzw. sozialrevolutionären Streitkräften Kolumbiens kontrolliert. Erst mit der Entwaffnung dieser Guerillabewegung, können diese Gebiete gefahrenlos bereist werden, da zuvor neben dem Drogenhandel auch die Entführung von Personen zur Finanzierung der Guerillakämpfer zum „Geschäft“ dazugehörten. Mit all dem hatte unser Ausflug aber nichts zu tun, da wir lediglich eine der vielen Kaffeeplantagen besuchten. Die Auswahl viel auf die „Finca Victoria“ und das aus gutem Grund – aber dazu später mehr.

Mit Motorradtaxi, Bus, Taxi ging es vom Hostel zunächst in die Stadt Minca, wo für Autos dann auch endgültig Schluss ist. Von hier aus geht es nur mit Offroad-Motorrädern weiter, denn die Straße ist ab hier eigentlich nur noch eine Anreihung von sehr tiefen Schlaglöchern und Geröll. Wer viel Zeit mitbringt kann die Strecke aber auch zu Fuß zurücklegen, wozu wir aber weder Zeit noch Lust hatten. Die Wanderung durch den Nationalpark lässt grüßen.

Auf der Plantage angekommen, hatten wir das Glück, eine Privattour zu erhalten und das auch noch auf Deutsch. Eine Volontärin aus Stuttgart befand sich gerade zum zweiten Mal auf der Plantage, um sich auf das spätere Berufsleben vorzubereiten oder wie Sie selbst sagte, um die Ruhe zu genießen und zeigte uns die Farm. Diese besticht gerade durch Ihr nachhaltiges Konzept. So werden die über 100 Jahre alten Maschinen aus England noch heute ausschließlich mithilfe der vom Gipfel kommenden Flüsse per Wasserkraft betrieben. Zudem wird hier alles von der Kaffeebohne verwendet, die Schalen zum Beispiel nach Ihrer Kompostierung als Dünger für die Kaffeepflanzen. Neben diesen Punkten besticht „La Victoria“ aber gerade durch ihre Lage mitten im Regenwald, wodurch man die hier beheimaten Kapuzineraffen sowie die unzähligen Kolibris beobachten kann. Fotos von diesen kleinen Vögeln sind dabei kaum zu machen, so schnell sind diese Viecher. Im Anschluss an die Führung gab es dann auch den hauseigenen Kaffee zum Probieren. Mein Bruder meinte er wäre wirklich richtig gut. Für mich als Kaffeeverweigerer trotz Beamtenstatus, war er aber zumindest gut trinkbar. Ich bleib da ja lieber beim Hopfenkaltgetränk. Und damit zum eigentlichen Hauptgrund für die Wahl genau dieser Kaffeeplantage. La Victoria als Kaffeefarm befindet sich seit vier Generationen in deutscher Hand und da die deutschen Besitzer wohl gutes Bier vermissten, bauten diese direkt neben der Kaffeefarm einfach eine kleine Brauerei. Dort wird nun in Handarbeit Bier mit frischem Wasser aus dem Sierra Nevada Gebirge und Hopfen aus Deutschland gebraut. Teilweise verfeinert mit lokalen Produkten wie Kaffee- und Kokablättern, sodass drei Sorten angeboten werden Happy Tucan, Happy Jaguar, und Happy Hummingbird. Nach einer kleinen Bierprobe ging es also zurück zu unseren Fahrern und deren Motorbikes, die uns über die Schotterpiste wieder herunter in die Stadt fuhren. Eine Fahrt besser als mit einer Achterbahn und dazu noch kostengünstiger. Im Anschluss gab es was zu Essen und dann ging es wieder retour per Taxi, Bus und Motorradtaxi zum Strandhostel, wo der Abend und der nächste Tag wieder in der Sonne bzw. im Wasser verbracht wurde.

Am vorletzten Tag der Tour hieß es dann nochmals Standortwechsel und für uns ging es nach Santa Marta. Santa Marta ist eine der ersten, heute noch bestehenden, spanischen Städte auf dem südamerikanischen Festland sowie die Heimatstadt von bekannten kolumbianischen Fußballgrößen wie Carlos Valderrama und Falcao. Dort wurden nochmals die alten Bauten der Kolonialzeit, die Kirchen sowie die sehr lange Strandpromenade besichtigt. Am nächsten Morgen stand dann nach vier Wochen Südamerika wieder die Heimreise an. Und wie konnte es anders sein, mal wieder ging es zunächst nach Bogotá und von dort diesmal über Amsterdam nach Hause. Auch wenn die Route prädestiniert dafür wäre, fungierten wir dabei nicht als Drogenkuriere.

Langer Text, kurzes Fazit: Es war einfach eine überragende Tour ! Geile Fußballspiele, wunderbare Landschaft, wahnsinnige Städte und Einwohner, gutes Essen und immer ein kühles Getränk zur Hand. Und selbst wenn man gut 9.000 Kilometer von Trier entfernt ist, begleitet der SVE einen auch dorthin. Eintracht ist alles und doch gibt’s da mehr.

Der Südamerikabericht war ein Blick über Tellerrand, ein Blick auf Dinge, die in anderen Ländern anders sind, bei denen sich teilweise aber doch kleine Parallelen zu Deutschland, zu Trier, zur Eintracht finden lassen. In dem Reisebericht sind einige davon kurz angeschnitten worden. Um diese wirklich ausführlich zu Papier zu bringen, müsste man komplette Doktorarbeiten sowie weitere Bücher, neben der Eintracht-Fibel schreiben.

Für diejenigen die sich das Ganze tatsächlich durchgelesen haben, seht es als Anregung. Werft ein kritisches Auge auf unser Land, unsere Stadt, unseren Verein, die Fanszene und auf den Fußball im Gesamten.

Eintracht ist ALLES !