Ein paar Gedanken zum Boykott von Insane Ultra

Offensichtlich sind die Fronten gerade ziemlich verhärtet – Insane Ultra boykottiert den Besuch der Spiele weil Hausverbote ausgesprochen wurden.

Wenn irgendwas passiert bei Eintracht Spielen sind die Ultras ja sowieso immer erstmal verdächtig. Das ist manchmal richtig, manchmal nicht und dazwischen liegt die Wahrheit auch hin und wieder.

Anlassgebend für die aktuellen Hausverbote sind eine Auseinandersetzung von Trierer und Offenbacher Fans an der Porta Nigra sowie eine eben solche von Trierer Fans mit Ordnern im Moselstadion.

Wir als Fanprojekt lehnen Gewalt kategorisch ab und finden, dass dies auch strafrechtlich verfolgt werden muss. Was viele Außenstehende dann oft vermengen ist, dass der strafrechtliche Aspekt eben nicht alles an Konsequenz darstellt, sondern ein Stadionverbot als zivilrechtliche Extra-Maßnahme „on top“ dazu kommt. Wer mehr wissen will fängt am besten mal mit den Stadionverbotsrichtlinien des DFB an. Das hat auch wie weiter unten stehend beschrieben wird konkrete Auswirkungen. Gerne könnt Ihr euch bei speziellen Fragen auch an uns wenden.

Zum besseren Verständnis worum es den Ultras geht halten wir es für angebracht, kurz den üblichen Weg bis zur „Verhängung eines Stadionverbots“ zu skizzieren: Sinn und Zweck des Stadionverbots scheint sich direkt klar zu erschließen: Wer sich im Stadion nicht an Regeln hält darf nicht mehr kommen. Analog dazu der Ladendiebstahl im Supermarkt, der auch zu Strafanzeige und Hausverbot im Laden führt. In der Praxis der Stadionverbote ist es aber nicht immer so eindeutig wie gerade griffig beschrieben.

Ein Stadionverbot kann und soll auch ausgesprochen werden für Verhalten außerhalb des Stadions. Verantwortlich für die Entscheidung und Umsetzung sind die jeweiligen Bezugsvereine, hier logischerweise die Eintracht. Praktisch soll nach einem Vorfall die Polizei bei den Vereinen aufgrund von Anfangsverdachten und Einleitung eines Ermittlungsverfahrens ein Stadionverbot beantragen. Die Verbote fallen also nicht einfach vom Himmel. Dennoch: Bis hier eine richterliche Entscheidung vorliegt vergeht erfahrungsgemäß in der Regel mindestens 1 Jahr. Der Verein soll jedoch zeitnah zum Vorfall, also bei Einleitung eines Ermittlungsverfahrens, schon über ein Hausverbot / Stadionverbot entscheiden.

Fans jedenfalls finden es ungerecht, dass aus Ihrer Sicht Stadionverbote auf Verdacht ausgesprochen werden. Und es geht dabei nicht immer um Vorfälle innerhalb eines Stadions – dennoch soll dann ein Fußballverein Maßnahmen ergreifen. Und selbst ein eingestelltes Verfahren – hier liegt der Teufel im Detail – führt nicht immer automatisch zu einer Aufhebung des Stadionverbots. (Details siehe Stadionverbotsrichtlinien)

Nur um das noch mal klar zu stellen: An den Ursachen, also den beiden Vorfällen, gibt es nichts schön zu reden. Aber in der Stadionverbotsfrage kann es dann auch mal einen oder mehrere Fan(s) zu Unrecht treffen, denn logischerweise führen nicht alle Ermittlungsverfahren zu einer Verurteilung. Wir können es nachvollziehen, wenn solche Fälle zu Unmut führen.

Möglicherweise macht dies die Reaktion der Ultras verständlicher. Und auch wir finden, dass es zwar Gründe für Stadionverbote gibt, der Weg dahin aber ein anderer sein sollte. Außerdem sollte unserer Meinung nach auch über Alternativen und Bewährungsmodelle nachgedacht werden.

Einigungen zum gemeinsamen Umgang miteinander in dieser Frage und Antworten auf weitere strittige Fragen sind unserer Meinung nach möglich. Klar ist jedoch, dass beide Seiten dafür auch an einem Austausch und Dialog interessiert sein müssen. Auf beiden Seiten wurde Porzellan zerschlagen – das anzuerkennen könnte schon der erste Schritt in die richtige Richtung sein.

Als Fanprojekt bieten wir uns gerne an, einen Weg in diese Richtung zu begleiten.