Differenzierung notwendig!

Letzte Woche Samstag war die Eintracht Gast des 1. FC Saarbrücken in Völklingen. Liest man die Pressemeldung der Polizei so entsteht der Eindruck, dass der komplette Gästebock ein randalierender Mob war, der bereits vor Spielbeginn mit Eisenstangen bewaffnet Völklingen unsicher machte.

Wir waren den kompletten Samstag mit den Trierer Fans zusammen und können in der Tat unschöne Szenen bestätigen, allerdings nicht nur von den Gästefans begangen sondern auch von den Heimfans und der Polizei.

Daher sagen wir: Differenzierung notwendig!

Ein Großteil der Trierer Fanszene traf sich morgens am Hauptmarkt in Trier und marschierte gemeinsam zum Bahnhof und reiste von dort mit der Bahn nach Völklingen. In Völklingen angekommen wurden am Bahnhof in der Unterführung Rauchbomben und Böller gezündet. Im Stadion wurde zudem beim Einlaufen eine Choreo gezeigt, bei der ebenfalls Pyrotechnik genutzt wurde.
Alle relevanten Szenegruppierungen reisten mit der Bahn an – von daher haben wir große Zweifel, dass tatsächlich Trierer Fans mit Eisenstangen bereits vormittags durch Völklingen zogen.

Das Thema Pyrotechnik ist sicherlich ein großes Reizthema und wir haben uns bereits mehrfach dazu positioniert. Wir glauben, dass Pyrotechnik kontrolliert und damit nicht sicherheitsgefährdend eingesetzt werden kann. Allerdings trifft dies in keinster Weise auf den Einsatz von Pyrotechnik am Völklinger Bahnhof zu. Wer ernsthaft davon träumt, dass Pyrotechnik irgendwann einmal legal genutzt werden darf, der muss sich bereits heute dafür einsetzen, dass solche Auswüchse wie am Völklinger Bahnhof verhindert werden. Zur Pyrotechnik im Stadion ist darüber hinaus festzuhalten, dass daraus eine Geldstrafe für den Verein resultieren wird oder gar ein kompletter Zuschauerausschluss für das Rückspiel.

Während des weiteren Spielverlaufs gab es kurz nach dem 1:0 für die Eintracht eine erste Eskalation. Eine Gruppe Trierer versuchte das Fluchttor zum Innenraum zu öffnen. Auch stürmte zu diesem Zeitpunkt eine deutlich größere Gruppe aus dem Saarbrücker Fanblock in den Innenraum auf die Laufbahn. Die Ordner am Trierer Fanblock konnten mit Mühe das Tor geschlossen halten und nach einigen Minuten kamen dann Polizisten hinzu, die mit dem Einsatz von Pfefferspray die Situation auflösen konnten.
Hier gilt es ebenfalls zu differenzieren: Wer versucht das Fluchttor zu öffnen hat logischerweise Konsequenzen, wie z.B. Pfefferspray oder anschließendes Strafverfahren, zu erwarten. Darüber hinaus gab es jedoch auch einige Fans, die versucht haben andere zurückzuhalten. Dieses Verhalten ist vorbildlich und es gilt diese Fans zu schützen – schließlich wird das Zeigen von Zivilcourage im Fußball vielfach gefordert. Stattdessen wurde auch gegen diese couragierten Fans ebenfalls Pfefferspray eingesetzt. Wir hätten uns gewünscht, dass die Polizei hier 5 Sekunden inne gehalten hätte und sich einen Überblick verschafft hätte wer hier Übertäter ist und wer nur versucht andere abzuhalten.

Gegen Ende des Spiels wurde von einer Gruppe Trierer erneut versucht das Fluchttor zu öffnen. Dabei erlitt unseres Wissens nach ein Ordner schwere Verletzungen, was nicht zu rechtfertigen ist. Die Ordner konnten das Tor geschlossen halten und die Gruppe Trierer löste sich nach und nach auf. Nun kamen nach einigen Minuten erneut Polizisten den Ordnern zu Hilfe und setzten wiederum Pfefferspray ein. Wir glauben, dass sich diese Eskalation nach wenigen Minuten von alleine beruhigt hätte wenn die Polizei mehr Abstand gehalten hätte. Stattdessen entscheidet die Polizei den Block zu stürmen und nun wird es sehr unübersichtlich:
Uns liegen mehrere Erfahrungsberichte vor, dass seitens der Polizei nicht mehr nach Strafhandlungen differenziert wurde, sondern wahllos in den ersten 3-4 Rängen von Pfefferspray und vom Einsatz des Schlagstockes Gebrauch gemacht wurde. Auch Personen, die mit Gesten und Worten deeskalierend auf andere Fans einzuwirken versuchten, wurden von den Einsatzkräften mit Schlägen und Pfefferspray bedacht. Aus unserer Sicht sind hier viele unschuldige Fans zu Schaden gekommen.
Darüber hinaus sprechen die Berichte davon, dass es anfangs Sanitätern nicht erlaubt wurde ohne Polizeibegleitung in den Block zu gehen. Es wurde seitens der Polizei aufgefordert, Verletzte zum Innenraum-Tor zu bringen. Erst deutlich später konnten die Sanitäter ohne Polizeibegleitung in den Block, um Verletzten zu helfen.
Das Stadion zu verlassen war nicht mehr möglich, da die Polizei nun die Personalien aller Anwesenden feststellen wollte. Jeglicher Protest der Unbeteiligten wurde nicht gehört – nach Tritten gegen den Zaun wurde nun von oben wahllos Pfefferspray über einen sichtgeschützten Zaun in den Fanblock versprüht.
Nachdem alle Personalien festgestellt waren wurde die Heimreise mit dem Entlastungszug der Bahn angetreten. Wie immer durfte sich niemand etwas zu trinken kaufen am Bahnhof und auch das Verrichten der Notdurft ist in solchen Zusammenhängen – gerade auch für die mitgereisten Frauen – äußerst problematisch.

Wir halten fest:

– Das am Ende einfach Pfefferspray über einen sichtgeschützten Zaun in den Fanblock bzw. Menschenmenge gesprüht wird ist nicht akzeptabel und unserer Meinung nach nicht zu rechtfertigen. Dies muss im Grunde genommen auch Konsequenzen nach sich ziehen.

– Wir können nicht akzeptieren, dass im Polizeibericht pauschal von 300 Störern gesprochen wird. Dies entspricht nicht der Wahrheit, denn es gab eine große Gruppe Fans, die sich nicht an Randalen beteiligte. Einige davon haben sogar aktiv versucht andere davon abzuhalten. Im weiteren Verlauf wurden auch viele Fans zu Opfern des Polizeieinsatzes. Dies wird jedoch im Polizeibericht verschwiegen.

– Wir wünschen uns, dass auch die Polizei ihren Einsatz hinterfragt und sich bei den unschuldig betroffenen Eintracht-Fans entschuldigt.

– Die Trierer Fans die das Fluchttor öffnen wollten sollten sich außerdem ebenfalls bei den unschuldig betroffenen Eintracht-Fans entschuldigen.

– Zu keinem Zeitpunkt waren Trierer Fans im Innenraum!

Fanbeirat Trier
Fanprojekt Trier
Supporters Club Trier 2001