Watt sähste Ausgabe 5 – Patrick und Pascal von der reiseTRuppe

Watt sähste Ausgabe 5 – Patrick und Pascal von der reiseTRuppe

 

Für die heutige Ausgabe unserer Interviewreihe haben wir uns gleich Gäste im Doppelpack eingeladen. Die Brüder Patrick und Pascal sind glühende Eintrachtfans und haben vor einigen Jahren die reiseTRuppe gegründet. Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit nehmt uns ein paar Fragen zu beantworten.

 

Zunächst einmal die obligatorischen Fragen: Stellt euch doch bitte kurz unseren Leserinnen und Lesern vor. Wie seid ihr zur Eintracht gekommen und was verbindet ihr mit dem SVE?

Patrick: Ganz unspektakulär zu Anfang mit Freunden ins Moselstadion gegangen. Das erste Spiel wurde von mir im Jahr 2001 (Aufstiegsjahr zur 2. Liga) besucht und seitdem ist man halt dabeigeblieben.

Pascal: Also ein sogenannter Erfolgsfan. Ich habe es tatsächlich hinbekommen nie ein Zweitligaspiel der Eintracht zu sehen, sondern bin erst nach dem Abstieg 2006 zur Eintracht dazugestoßen. Nicht wie man vermuten wird, zusammen mit meinem älteren Bruder, sondern ebenfalls zu Anfang mit Schulfreunden. Später wurde dann aber zusammen mit meinem Bruder und anderen Leuten der Ostkurve gemeinsam zu den Auswärtsspielen gefahren.

Patrick: Die Verbindung zur Eintracht besteht wohl aus vielen Höhen und Tiefen die zusammen durchlebt wurden und zukünftig noch durchlebt werden. Das bindet einen dann halt an den Verein, aber vor allem verbindet es die Fans untereinander und die machen den Verein halt nun Mal aus.

Patrick du hast vor neun Jahren die reiseTRuppe mitgegründet. Der Name ist ja bereits sehr vielsagend, wie kam es dazu und welche Besonderheiten zeichnen die reiseTRuppe aus?

Patrick:  Genaugenommen wurde die reiseTRuppe am 04.09.2011 beim Auswärtsspiel bei Fortuna Köln gegründet. Der 3:1 Sieg blieb allerdings auch nur wegen der Gründung im Gedächtnis. An dem Tag kamen morgens nach einer durchzechten Nacht Seb Markus und ich zusammen und auf der Fahrt gen Köln wurde standesgemäß weiter gebechert und so dann auch die Schnapsidee auf, eine eigenen Zaunfahne anzufertigen. Als Aufdruck waren so klangvolle Namen wie reiseTRuppe Rumsteak im Gespräch, weil man halt gerade Hunger hatte. Am Ende wurde es dann aber (zum Glück) reiseTRuppe delikat. Die Fahne wurde dann paar Tage später gedruckt und hing dann erstmals beim Pokalspiel gegen den HSV in der Ostkurve. Es stand zu Anfang also vielmehr die Zaunfahne als eine wirkliche Gruppe hinter dem Namen. Später kamen dann immer mehr Freunde und auch mein Bruder mit zu den Spielen und daraus entstand die Gruppe. Die Jüngeren waren es dann auch, die eine neue Zaunfahne selbst malten. Als Besonderheit könnte man jetzt erwähnen, dass die Fahne zur Anfangszeit als keine Gruppe dahintersteckte, immer auch wieder bei Spielen von Arminia Bielefeld hing, da dieser Club Markus 2te oder vielleicht sogar eher 1te Liebe ist. Mit aufkommen der Gruppe hinter der Zaunfahne, änderte sich nicht nur der Standort von der Ostkurve auf die Gegengerade, sondern die Fahne wurde auch nur noch bei Eintracht Spielen angeflaggt.

Pascal: Neben der doch etwas anderen Gründung unterscheidet sich unsere Gruppe wohl auch sonst von einigen anderen Gruppen. So sind wir ein Zusammenschluss von Freunden ohne jedoch feste Gruppenstrukturen zu haben und alles basiert auf der Freundschaft. Als Freunde sehen wir uns in unterschiedlichen Konstellationen halt nicht nur zu den Eintrachtspielen, sondern verbringen einen großen Teil unserer Freizeit zusammen. Von Feiern, Urlauben oder Besuchen von anderen Fußballspielen. Mal in der Kreisklasse wo Mitglieder von uns selbst kicken oder halt auch einfach mal im Ausland.

Versteht ihr euch als Ultragruppe, als Fanclub oder liegt die Definition irgendwo dazwischen?

Pascal: Da es keine wirkliche Struktur gibt, geht jeder der Richtung nach, die er für richtig hält. Es lebe die Anarchie 😊 Der eine orientiert sich in Richtung Ultra, der andere eher in Richtung Bierstand und einer sitzt in letzter Zeit lieber auf der Tribüne bzw. im VIP Raum.

Seid ihr als Gruppe ein geschlossener Freundeskreis oder können auch andere reisefreudige Eintrachtfans bei euch Mitglied werden und falls ja, wie ist das möglich?

Pascal: Wie gesagt ist die Gruppe ein reiner Freundeskreis und demnach nicht offen für externe Mitglieder. Aber reisefreudige Eintrachtfans dürfen, wie du selbst weißt, sich gerne als Reisebegleitung anschließen.

Patrick: Am liebsten natürlich als Fahrer.

Wie bereits angerissen sind Fußballreisen für euch auch neben den Spielen der Eintracht ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Nehmt uns doch einmal mit in die Welt des Groundhoppings. Seit wann seid ihr auf diesem Gebiet aktiv und wie viele Länder habt ihr schon bereist?

Patrick: Richtig. Einige, aber nicht alle Gruppenmitglieder, besuchen regelmäßig auch Fußballspiele neben denen der Eintracht. Aber da kann Pascal wohl mehr zu erzählen.

Pascal: Ja, der ein oder andere ist in dem Bereich schon länger unterwegs. Wiederum andere erst seit kurzer Zeit. Bei mir und auch meinem Bruder, hat das zuerst mit den zusätzlichen Spielbesuchen bei Arminia Bielefeld, zusammen mit Markus, angefangen. Dann kamen noch Bundesligaspiele des HSV dazu, die zusammen mit HSV Fans aus Trier besucht wurden. Dann ging es nebenbei halt mal noch kurz nach England ins Mutterland des Fußballs oder kurz nach Belgien über die Grenze. Und nach und nach wurde es halt immer mehr Spiele und Länder die besucht wurden. Fußball wurde sozusagen zur Sucht. Bis auf sehr wenige Ausnahmen, wie große Reisen nach Südamerika oder Asien, werden diese Fußballreisen aber immer um SVE Spiele herum geplant. Ich würde das Ganze aber selbst nicht als klassisches Groundhopping bezeichnen, da der Ground an sich nicht ganz so wichtig ist, viel eher geht es mir persönlich um das drumherum. Die Fankultur, die Kultur der jeweiligen Länder, die Braukultur und einfach darum eine gute Zeit mit Freunden zu haben. Das Sammeln der Stadien ist an sich dabei dann eher die Nebensache. Und wegen der Frage nach der Anzahl der Länder. Auf Vergleiche mit anderen wer hat wie viel, hab ich wenig Bock und bleibe der Frage eine Antwort schuldig.

Ich weiß ja von einigen gemeinsamen Touren und Gesprächen wie viele es tatsächlich sind und auf so viele Reiseziele kommt ein Durchschnittsdeutscher wohl während seines ganzen Lebens nicht. Was war auf diesen Reisen denn eine besondere Anekdote die hängen geblieben ist und von der ihr uns berichten könnt?

Patrick: Wie mein Bruder bereits sagte, ist meist nicht das Fußballspiel, sondern die Fankurven, die Reise an sich und die Menschen die man trifft das schöne und gute an der Sache. So bei mir zum Beispiel eine Weihnachtstour 2015 mit einem Kollegen nach England zum Boxingday. Die ganze Nacht wurde durchgefahren um sich dann frühmorgens in Liverpool in einer Stadionnahen Kneipe ein paar Bier zu gönnen. Im Laufe des Tages lernte man in dieser Kneipe dann ein paar Hauer vom Everton FC kennen mit denen klasse weitergezecht wurde. Grandioser Tag, aber keine Erinnerung mehr an das spätere Spiel im Goodison Park.

Pascal: Storys und Anekdoten gibt es genügend um damit ganze Bücher zu füllen. Was definitiv im Kopf bleibt ist das Heimspiel von Raja Casablanca in Marokko. Wir sind über Wales nach Marroko gereist und erfuhren zwischendrin, dass deren eigentliches großes Stadion gesperrt wurde und man deswegen in einem sehr kleinen Ausweichstadion spielen würde. Problem an der Sache war dann, dass nur ganz bestimmte Vereinsmitglieder gegen Vorlage Ihres (Gold-)Mitgliedsausweises das Stadion betreten durften und das Stadion von zig Staatsdienern besser abgesichert wurde als manches Gefängnis. So versuchten wir dann weit vor Anpfiff ums Stadion herum Vereinsoffiziale davon zu überzeugen uns doch reinzulassen. Aber selbst die Kontaktaufnahme zum Vereinspräsidenten half nicht weiter und auch die Staatsmacht hatte irgendwann keinen Bock mehr die zwei Touristen durch jede Straßensperre durchzulassen. Blöde Situation, aber kurz vorm Aufgeben, fand sich eine Lösung, indem uns die Ultras des Gästeteams Ihre Tickets verkauften. Für den Gästebereich gab es am Stadion zwar auch keinen freien Verkauf, aber die Ultras überzeugten die Ordner davon, dass man Sie auch ohne Ticket reinlassen müsste, da wir ja Ihre Tickets hätten. Sowas klappt wohl auch nur in Marokko. Im Stadion zeigten dann die heimischen Ultras, warum die Szene in Casablanca so einen guten Ruf hat, was die Stimmung betrifft. Einfach delikat!

Wo ich eben was von Gefängnis erzählt hab, fällt mir ein, dass man sich für Wildpinkeln auch schonmal kurz den thailändischen Knast ansehen durfte. Ging aber ebenfalls gut aus. Genauso wie die Israel/Palästina Grenzstory.

Was war dort los?

Ende letztes Jahr ging eine etwas längere Fußballreise über Malta nach Israel. Vor Ort verschärften sich dann die Spannungen zwischen Israel und Palästina wegen eines Bombenangriffes in der Grenzregion. Als Folge wurden verschiedene Grenzübergänge geschlossen bzw. Touristen aus Sicherheitsgründen teilweise an der Überquerung eben jener Grenzen gehindert.  Um dennoch ein Fußballspiel am Mittag in Palästina zu schauen und abends noch das Flutlichtspiel in Israel, musste also ein etwas abenteuerlicher Plan ausgetüftelt werden. Mit verschiedenen Bussen ging es zu einer Grenzstadt die am Arsch der Welt lag und von dort zu Fuß über die Autobahn zum kleinen Grenzübergang. Dort dann wie erwartet kaum was los und mit Touris rechnete hier eh keiner. Man war also in Palästina und verbrachte dort einen feinen Tag inklusive Fußballspiel. Ok, eher gesagt einem halben Spiel, da schon vor Anpfiff in der gesamten Stadt der Strom ausfiel und dies auch bis zur Halbzeitpause nicht mehr repariert werden konnte. An eine zweite Halbzeit war wegen der inzwischen angebrochenen Dunkelheit aber nicht zu denken. Nach über 40 Minuten warten im dunklen Stadion, ob doch noch was geht, musste ich mich aber in Richtung Grenze verabschieden und dort fing das Chaos dann erst richtig an. Ich wollte über die gleiche Grenze zurück nach Israel über die ich auch gekommen war, obwohl ich wusste, dass dies eigentlich nicht zulässig ist. Im Hinblick auf das Abendspiel und in der Annahme, dass das als Tourist schon irgendwie möglich sein wird kam ich also an der Grenze an und näherte mich vorsichtig der Grenzstation. Aber ich war noch keine drei Schritte hinter einer Markierung (die übrigens nicht eingezeichnet war) und da wurde ich vom Militär an die Mauer gestellt und durfte mir die waffentechnische Ausrüstung der Grenzer etwas näher angucken. Was folgte, waren etliche Befragungen in einem umgebauten Container, der der Beschriftung zufolge zuvor wohl als Hamburger-Imbissbude in Deutschland genutzt wurde. Resultat nach gut 30 Minuten, man glaubte mir nicht, dass ich nur wegen einem Fußballspiel dort war und überprüfte daraufhin meine Infos indem man zuerst das Restaurant anrief in dem ich zu Mittag gegessen hatte und dann auch beim Fußballclub, wo ich zuvor das (halbe) Spiel besucht hatte. Zum Glück erinnerte man sich dort an mich. Im Restaurant wohl, weil ich der einzige Touri weit und breit war und beim Fußball, weil ich zuvor mit deren Trainer in Kontakt stand ob und wann das Spiel stattfinden sollte. Glück gehabt, denn mit deren Bestätigung und weniger netten Grüßen lies man mich schlussendlich die Grenze überqueren und über die Autobahn ging es zum Abendspiel.

Ok, du hast wie immer viel zu erzählen. Andere hoppingbegeisterten Gruppen veröffentlichen ihre Reiseberichte regelmäßig in Fanzines, habt ihr perspektivisch in diese Richtungen auch schonmal Überlegungen angestellt?

Pascal: Wir als Gruppe nicht. Aber euer Gesprächspartner von Insane aus Folge 1 und ich hatten mal angefangen alle besuchten Spiele (Eintracht, Metz + den Rest) in Textform festzuhalten. Da kam schon eine Vielzahl an Seiten zusammen, die aber bisher nie veröffentlicht wurden. Aktuell schreibe ich aber zum Beispiel an der Eintracht-Fußballfibel mit und man wird sehen ob zukünftig mal etwas kommt.

Patrick: Ich lese war viele Fan- und Hoppingzines, aber selbst schreiben: kein Bock.

Im nächsten Jahr steht mit dem 10-jährigen ein großes Jubiläum für die reiseTRuppe ins Haus. Was dürfen wir erwarten?

Patrick: Überraschung – aber definitiv wird’s was geben.

Dafür wünschen wir bereits jetzt gutes Gelingen und viel Erfolg. Danke das ihr uns so offen Rede und Antwort gestanden habt. Wie üblich gebühren euch die letzten Worte:

Patrick: Es bleibt uns allen zu wünschen, dass wir bald zusammen mit den Jungs und Mädels wieder im Stadion stehen können. Zwar war eine kleinere Abordnung unserer Gruppe letzte Woche noch in Tschechien beim Fußball, aber das ist kein wirklicher Ersatz für ein Spiel unserer geliebten Eintracht.