Statement der Initiative „!Nie wieder – Erinnerungstag im deutschen Fußball“ zum Anschlag in Halle

Liebe Eintracht Fans,

da wir auch aktive Mitglieder in der Initiative „!Nie wieder – Erinnerungstag im deutschen Fußball“ sind, möchten wir euch gerne auf deren Statement zum Anschlag in Halle hinweisen bzw. könnt ihr diesen nachfolgend nachlesen.

Euer FP Team

„Erinnern reicht nicht! Empört Euch! Die Tat heißt „Nie wieder!“

Leid, Trauer und Schmerz sind über uns gekommen. Mit schmerzvoller Wucht ist die „!Nie wieder – Mischpoke“ von den Morden in Halle getroffen. Das Yom Kippur -–Wunder, die glückliche Rettung der Synagogenbesucher*innen, erfüllt uns mit großer Dankbarkeit.

Auch wenn wir als Nachgeborene den mörderischen Umgang der Deutschen mit ihren jüdischen Brüdern und Schwestern, mit ihren Brüdern und Schwestern aus dem Volk der Sinti und Roma, in der Nazizeit nicht miterlebt haben, spüren und verstehen wir, was dieser Gewaltexzess bei den Familien der Ermordeten, den Bedrohten in der Synagoge und darüber hinaus bei unseren Freunden in Israel und bei den Mitstreiter*innen aus der Makkabi-Familie ausgelöst hat.

Unsere tiefen Beziehungen zu vielen Überlebenden des Völkermordes, alles, was sie uns über ihren Schmerz, über ihre Ausgrenzung, über ihre Todesängste und das Erleiden unvorstellbarer Qualen in Einzel- und in Gruppengesprächen erzählt haben,macht uns durchlässig und empfindsam für das verstörende Geschehen in Halle. Unsere Antwort darauf: In ruhiger und verlässlicher Freundschaft stehen wir bei unseren jüdischen Freunden in Halle und anderswo. Wir, die Mitstreiter*innen von„!Nie wieder“, sind über eine unsichtbare Menschenkette mit Euch verbunden. Wir wissen, dass die Kraft der Solidarität, die Energie der guten Gedanken und der Gebete tröstet und stärkt.

Die Dynamik, die dem Versöhnungsfest „Yom Kippur“ innewohnt, hilft, sich der Bedrohung des aktuellen Antisemitismus mit aller Macht entgegenzustellen.

Unser Freund und Mitstreiter Zvi Cohen aus dem Kibbuz Ma‘abarot, Überlebender der Hölle von Theresienstadt, hat uns gestern seine Gedanken zum Geschehen in Halle übermittelt.

.Er schreibt:
„Eichmann und die Endlösung der Judenfrage – von 1933-1945 / die 12 furchtbarsten Jahre,- plus noch nicht allzu ruhige 74 Jahre bis 2019, und jetzt schon wieder, dieser erschütternde Nazi Angriff in HALLE auf deutsche Juden in der Synagoge, am YOM KIPPUR, dem Allerheiligsten Tag des Judentums – Was ist denn eigentlich hier los ?

Hat man alles vergessen, alles verschwiegen, alles verleumdet, und will man ganz einfach wieder mit Beileids Entschuldigungen, Blumen und Kerzen, wie es schon öfter geschah, alles im Wasser oder im Sand versickern lassen?

Hat man den gar nichts aus der Historie gelernt, weiß denn hier noch keiner wie und was die sofortigen Schritten sind um die schon glühende Lunte nicht ans nahe Pulverfass zu lassen.- Man hat sich hier schon einmal arg verrechnet mit der basislosen Behauptung – Ach das ist ja nur eine kleine unschädliche Minderheit.

Wartet nicht bis es ( auch für euch selbst ) zu spät ist.

“Zvi‘s Aufruf schärft unseren Blick und fordert auf, mit der Kraft des „Nie wieder“ uns unverdrossen einzumischen.

Unsere Empörung über die Morde, über die brutale Bedrohung der Menschen in der Synagoge und über diejenigen, die weiterhin diese Taten planen,wird nicht vergehen. Unsere Empörung über diejenigen, die mit ihren Reden in den öffentlichen Räumen und in den Parlamenten unser Gemeinwesen vergiften und spalten wollen,bleibt.

Aus dem Feuer der Empörung erwächst der Widerstand in gleicher Weise wie aus dem Mitgefühl für die Opfer und für die Bedrohten in der Synagoge.

Die Kampagne zum „16. Erinnerungstag im deutschen Fußball“ – an den Spieltagen um den 27. Januar 2020, drei Monate nach Halle – wird im Fußball, wie in der Zivilgesellschaft, ein starkes und ermutigendes Zeichen gegen die Übel Antisemitismus, Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit in unserem Land setzen. Das ist die Antwort auf diese verstörenden Geschehnisse. Das „!Nie wieder!“,so wie wir es verstehen, meint das unablässige Einmischen in „die eigenen Angelegenheiten“ (Max Frisch), damit „die Würde jedes Menschen“ garantiert und geschützt bleibt.

Shalom, Shalom,
Eberhard Schulz und Freunde*innen
Initiative „!Nie wieder – Erinnerungstag im deutschen Fußball“