Reisebericht zum Arbeitstreffen der Fankurve Ost in Minsk

Vom 5. bis 9. Juni 2019 nahm Lukas für das Fanprojekt an einem Arbeitstreffen des Berliner Projektes „Fankurve Ost“ in der belarussischen Landeshauptstadt Minsk teil. Fankurve Ost in Trägerschaft des Deutsch-russischen Austauschs (DRA) e.V. organisiert regelmäßig Workshops und Treffen mit Fußballfans und Funktionären aus Russland, Belarus, der Ukraine und Deutschland. Das Treffen in Minsk war das erste dieser Art in Belarus und fand in Kooperation mit der DFB-Kulturstiftung statt.

Nach der Anreise am Mittwoch stand am Donnerstag eine erste Erkundung der Stadt auf der Agenda. Dabei wurde unter anderem dem Museum des großen vaterländischen Krieges ein Besuch abgestattet. Generell ist Minsk durch eben diesen nahezu komplett zerstört worden. Was die Nazis noch stehen ließen wurde größtenteils von der Roten Armee niedergerissen. Somit bestand nach Ende des 2. Weltkrieges für die Sowjetregierung die Möglichkeit ihre architektonischen Pläne nach ihren Vorstellungen umzusetzen.

Am Donnerstagabend kamen dann alle Teilnehmer des Treffens zu einem Willkommensabend zusammen, bei dem man sich erstmals kennenlernte. Dabei stellte sich schnell heraus, dass das Teilnehmerfeld breit aufgestellt war und die Teilnehmenden aus den vier Ländern aus den unterschiedlichsten Kontexten und Institutionen stammten. So nahmen beispielsweise neben verschiedenen Journalisten und Bloggern aus dem Fußballkontext auch eine Vertreterin des russischen Fanclubs von Bayer Leverkusen, Vertreter der Fanbotschaften aus der Ukraine und Russland, die PR Beauftragte von Dynamo Kiew, eine Vertreterin der Eisernen Hilfe, ein Kollege aus dem Fanprojekt Jena, sowie dem Fanprojekt aus dem ukrainischen Lutsk, sowie ein Vertreter der Koordinationsstelle der Fanprojekte und der Leiter der DFB-Kulturstiftung teil.

Der nächste Tag begann früh mit der Abfahrt zum belarussischen Fußballverband (ABFF). Dorthin waren wir eingeladen worden, um verschiedene Vorträge zu Themen der Fanarbeit zu halten. Auch der Vizepräsident des Verbandes, Michail Botnikov, schaute für ein Grußwort vorbei.

Im Anschluss an den Besuch beim Fußballverband stand die Fahrt zur ehemaligen Vernichtungsstätte Maly Trostinez an. Zwischen 1942-1944 ermordeten die Nazis dort zehntausende Menschen, wobei die Mehrheit dieser aufgrund ihres jüdischen Glaubens sterben musste. Nach der Befreiung durch die Rote Armee wurde das Lager komplett zerstört und erst Ende der 1980er Jahren wiederentdeckt. Auch wenn ein Mahnort auf dem Gelände sich im Aufbau befindet, so ist die Erinnerung an diesen Ort des Grauens kaum in der belarussischen Bevölkerung angekommen. Umso bewegender war es für alle Teilnehmer, die bei der Führung über das Gelände von Vertretern des Fanclubs Nationalmannschaft begleitet wurden, mehr über die Geschichte dieses Ortes zu erfahren. Stellvertretend für die Reisegruppe legten Ingo Petz für Fankurve Ost, sowie Olliver Tietz von der DFB-Kulturstiftung, einen Gedenkkranz mit den mahnenden Worten „Nie wieder“ nieder.

Nach dem Besuch der Gedenkstätte stand für den Abend eine Lesung des Autors Artur Klinau aus seinem Buch „Minsk Sonnenstadt der Träume“ auf dem Programm. Diese fand in der Vereinsgaststätte des größten Eishockeyvereins des Landes, Dynamo Minsk, statt. Auf den Spuren dieser „Sonnenstadt“ fand am nächsten Morgen eine Stadtführung mit Artur Klinau statt, der uns die imposanten Bauten nach den Vorstellungen Stalins und der damaligen sowjetischen Führung zeigte und erklärte, dass Minsk als sowjetische „Musterstadt“ mit einem Schachbrett-Grundriss, sowie breiten Straßen und großen Parks wiederaufgebaut werden sollte.

Im Anschluss daran besuchten wir den Fanverein FC NFK Minsk Krumkachy, was übersetzt so viel bedeutet wie „die Raben“. Dort erhielten wir einen Einblick in selbstorganisierte Vereinsstrukturen die den Club bis in die erste Liga führten.

Nach dem Besuch bei den Raben fuhren wir los in Richtung Borissov. Auf dem Weg zum Länderspiel legten wir einen spontanen Zwischenstopp ein, um das Zweitligaspiel zwischen FC Smolevichi und dem FC Orsha zu sehen. Skurril war dabei, dass von den ca. 250 Zuschauern nahezu die Hälfte aus Deutschland stammte, ebenso wie sämtliche Zaunfahnen. Im Anschluss daran besuchten wir das EM-Qualifikationsspiel zwischen Belarus und Deutschland in der BATE Arena, was die Gäste glanzlos mit 2:0 für sich entscheiden konnten.

Am Sonntag ging es mit vielen spannenden Eindrücken und neuen Bekanntschaften zurück nach Trier. Wir hoffen, diese Kontakte intensivieren zu können, möglicherweise besteht dazu bereits Ende des Jahres die Möglichkeit, wenn die belarussische Nationalmannschaft zum Rückspiel in Deutschland antritt. Ein großes Dankeschön gebührt für die Organisation und Durchführung Ingo Petz und Peter Liesegang von Fankurve Ost!

 

Austausch in Minsk: 25 Teilnehmer aus Belarus, Ukraine, Russland und Deutschland © DFB