Auf der Suche nach ihrem Lieblingsverein. Wochenendrebellen Jason und sein Vater Mirco von Juterczenka zu Besuch im Moselstadion

Schon mehrere Jahre sind sie auf der Suche nach ihrem Lieblingsverein. Jason (13) und sein Vater Mirco haben unzählige Stadien besucht, in Deutschland und auch weltweit. Soweit nichts Ungewöhnliches, wäre da nicht ein Umstand, der ihre Vater Sohn-Beziehung zu etwas ganz Besonderem macht. Jason ist nämlich Asperger-Autist, was für ihn persönlich jedoch eher Vorteil statt Nachteil ist.

Ihre Erfahrungen und Erlebnisse haben sie gemeinsam in einem Buch verarbeitet, aus dem Sie am Sonntag, den 24.02 in der NullFünf Lounge des Moselstadions gelesen haben. Auf Einladung des Fanprojektes Trier haben Jason und Mirko die Besucher mitgenommen in eine etwas andere Sicht der Fußballfankultur.

Während andere Kinder seines Alters für Messi, Ronaldo oder vielleicht Thomas Müller schwärmen und in Vereinsbettwäsche einschlafen, legt Jason eigene Regeln für einen möglichen Lieblingsverein an. Das Stadion sollte idealerweise gut mit einem Nachtzug erreichbar sein, eine Anzeigetafel aus Holz wäre prima, viel Wald und schnell erreichbare Ausgänge sind deutlich von Vorteil. Was gar nicht geht, sind Teams, die sich vor Spielbeginn zur Kreisbildung anfassen. Anfassen ist klares Ausschlusskriterium. Endet ein Spiel 0:0, dann heißt die Regel „Spiel zählt nicht“ und der Verein muss noch einmal besucht werden.

Dass die vielen Regeln und deren peinlich genaue Einhaltung durchaus anstrengend sein können, konnte man aus den Schilderungen von Vater Mirko heraushören. Aber sie sind auch Grundlage für spannende Erlebnisse und Erzählungen, die sie sehr unterhaltsam im Moselstadion den Zuhörern präsentierten.

Ihre eigene Bezeichnung Wochenendrebellen, soll auf den Umstand hinweisen, dass sie nicht damit abfinden wollen mit Asperger-Syndrom nur ein Leben Zuhause zu verbringen. Jason und Mirko erschließen sich den Fußball auf ihre Art und lernen dabei intensiv mit Autismus ihren Alltag zu meistern.

Da Jason am Tag davor noch an einem Jugend forscht Wettbewerb teilnahm, den er übrigens gewann, konnten die beiden erst sonntags anreisen. Ihr Zeitbudget war demnach sehr knapp und ließ wenig Spielraum um das Moselstadion noch näher zu begutachten. Der erste Eindruck war aber vielversprechend. Das Stadion sei landschaftlich gut gelegen, die Anzeigetafel ist auch o.k. und Jason hoffe darauf, dass aus ökologischen Gründen keine Plastikbecher herumgeworfen werden. Bleibt noch die leidige Frage nach dem Mannschaftskreis mit dem unmöglichen Anfassen. Da müsste noch nachgearbeitet werden.

Die beiden hinterließen jedenfalls ein mächtig beeindrucktes Publikum in der Nullfünf Lounge des Moselstadions.